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Altkleiderspenden - Beitrag für den Gemeindebrief

Autor: Manuel | Datum: 12 Mai 2013, 08:00 | 1 Kommentare

Für meine Salzufler Kirchengemeinde habe ich einen Bericht geschrieben, er ist am in der aktuellen Ausgabe des Gemeindebriefes abgedruckt. Es geht um Altkleidersammlung: Vor über einem Jahr wurde ein Skandal aufgedeckt – die AltkleiderSPENDEN sind dubiose Spenden, falls man sie denn überhaupt noch „Spenden“ nennen darf. Besonders das DRK geriet dadurch in Kritik, weil es der größte Altkleidersammler in Deutschland ist.

Aber nun zum Brief an die Gemeinde, unten sind dann noch Fotos und Verweise zu weiteren Infos:

 

„Liebe Gemeinde,

ich bin auf dem Weg zum Markt, ich brauche ein „neues“ Hemd. Auf dem Altkleidermarkt ist es am günstigsten. Ich gehe durch die engen Gänge, vorbei an Schuhen, Hosen, T-Shirts, Bettwäsche – es gibt alles, was man braucht. Die vielen Verkäufer heißen mich willkommen an ihren winzigen Verkaufstischen und preisen ihre Ware an.  Ich wühle mich durch die Stapel. H&M. Adidas. Ein Sportshirt vom „TG Bamberg“. Lacoste. FC Bayern Trikot. Puma. Hemden für 5-10€, T-Shirts für 4€ - Preise wie bei kik in Deutschland, für mich erschwinglich, für viele Ruander zu teuer. Ich bin vollkommen überwältigt von dem Angebot – ein riesiges Stockwerk voller Altkleider!

Eine ganze Zeit vorher haben Deutsche dem DRK Altkleider gespendet. „Helfen Sie armen Kindern in Afrika!“ stand auf dem Container.

Aber wo DRK drauf steht ist nicht so wirklich DRK drin: Es verkauft 90% der gespendeten Altkleider an Händler, die den „Abfall“ nach Afrika exportieren – Nur 10% bleiben in Deutschland. Laut Bundesregierung werden pro Jahr 104.000 Tonnen Altkleider nach Afrika exportiert (~1,3kg/Bürger). Und die Altkleidersammler (z.B. DRK) verdienen pro verkaufter Tonne 450€!! (45ct/kg) Ist das noch eine Spende??

Und was passiert mit den Altkleidern hier in Afrika? Sie werden eben nicht „an die armen Kinder“ gespendet, sondern verkauft. Natürlich kann man jetzt argumentieren, dass es ja unglaublich hohe Logistikkosten gibt, bis die Kleidung verkauft ist. Das rechtfertigt aber trotzdem noch nicht den Verkauf der Waren, denn dadurch wurde hier der lokale Textilienmarkt zerstört: Die Kleider werden so billig angeboten, dass Schneider und Produzenten vor Ort nicht mithalten können. Es gibt keinerlei Fabriken für T-Shirts, Hosen etc. Nur traditionelle Stoffe werden noch vor Ort hergestellt. Das DRK und der „BVSE Fachverband Textilrecycling“ sehen das anders: Die asiatischen Billigprodukte seien Schuld am zerstörten Textilienmarkt. Falsch. Denn laut ARD sind 80% der getragenen Kleidung Altkleider.

An dieser Stelle möchte ich Sie, liebe Leser, nun um etwas bitten: Unsere Gemeinde hat ein richtig gutes Projekt zur Weiterverwertung von Altkleidern aufgebaut – die Altkleiderspenden nach Eben Ezer! Der Überschuss wird an die Organisation „FairWertung“ weitergegeben. Sammeln Sie Ihre Kleidung bitte für dieses Projekt und speisen Sie nicht die Container von DRK und Co. Ich erlebe nämlich hier, wie unsere gut gemeinten „Spenden“ eben nicht gespendet werden und wie dadurch wichtige Arbeitsplätze zerstört wurden. Daran können nur wir etwas ändern – als Spender!

Manuel Wiemann, zur Zeit im Freiwilligenjahr in Ruanda“

Die Altkleidersammler hätten das Shirt mal lieber aussortieren sollen…

 

      Weitere Infos:

Sehr empfehlenswerte Reportage, die damals für den Skandal gesorgt hat:

http://www.youtube.com/watch?&v=djXkFedpTrE

Frederike, auch VEM-Freiwillige in Rwanda, hat auf ihrem Blog auch schon darüber geschrieben:

http://freddy.vem-freiwillige.de/post/51/847

Stellungnahme des DRK, die ich höchst fragwürdig finde:

http://www.drk.de/aktuelles/fokusthemen/kleidersammlung.html

taz-Beitrag: Die Kommunen wollen das Sammeln von DRK und Co übernehmen. Macht aber auch nichts besser. Es verdient dann nur jemand anderes…

http://www.taz.de/Kommunale-Kleidersammler/!110698/

Stellungnahme der Regierung mit einigen Fakten, wobei sie sich nicht traut eine klare Meinung zu äußern:

http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/086/1708690.pdf

Auf der Seite des BVSE (http://www.bvse.de), dem Fachverband für das Textilrecycling, gibt es noch weitere Rechtfertigungen, die meiner Meinung falsch sind.

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