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Monatstag!

Autor: Manuel | Datum: 25 September 2012, 22:27 | Kommentare deaktiviert

25.09.2012. Ein Monat ist rum, einer von zwölf. Die Zeit verfliegt unglaublich… Eine „kleine“ Bilanz:

Kulturschock-Forscher sagen, dass sich die ersten ~6 Wochen „Honeymoon“ nennen – es geht einem richtig gut und man fühlt sich total wohl. In meinem Fall haben sie es damit auf den Punkt getroffen!

Ich habe hier sehr nette, offene Menschen kennen gelernt und hatte dadurch schon kleine Einblicke in ruandische Kultur und ruandisches Essen.

Selber kochen fällt mir inzwischen aber auch nicht mehr schwer, wobei noch ein bisschen Abwechslung bei den Gerichten fehlt. Einkaufen funktioniert dafür wunderbar: Ich kenne inzwischen einige Verkäufer auf dem Markt, bei denen ich nicht mal mehr um den Preis feilschen muss. Und ich komme mit meinem Kinyarwanda klar! Wink

Damit mache ich seit letzter Woche echt große Fortschritte, weil ich von einem ehemaligen Studenten, Theogene, unterrichtet werde. Hilfreich ist die gute Grundlage durch den Sprachkurs von Angelique (vielen Dank!), ohne den ich nicht alleine auf den Markt könnte… Theogene wiederholt mit mir auch Französisch: Ich habe all mein gelerntes aus 2 Jahren Schule verdrängt gehabt.

So langsam beginnt auch das Arbeitsleben, denn bisher hat sich vieles aufs Zuschauen beschränkt und musste sich noch einpendeln. Heute, zum Monatstag, durfte ich aber das erste Mal selber Mathe unterrichten! (Lief prima, später mehr dazu)

Insgesamt bin ich sehr beschäftigt, vor allem durch kirchliche Aktivitäten – ich habe die ganze Woche über Termine. Es kommt mir auch als so viel vor, weil der Tag für mich nur wenige Stunden hat. Ich brauche hier einfach unglaublich viel Schlaf, weil alles eben doch noch sehr neu und gewöhnugsbedürftig ist, auch der (fast) tägliche Gang zum Markt oder ausschließlich Englisch zu sprechen.

Aber ich bin hier sehr glücklich und muss gestehen, dass ich außer Schokolade auch noch nichts vermisse Tongue out  Kleine Momente (wie z.B. den Anti-AIDS-Club alleine leiten, s.u.) erfüllen mich unglaublich!

Ich bin mal gespannt, wann der Honeymoon vorbei ist und es mir nicht mehr so gut geht. Bzw. wann ich mich dann komplett an alles hier gewöhnt habe. Ich werde euch auf dem Laufenden halten, vielen Dank, dass ihr mich schon bis hier hin begleitet habt!

 

Alltag I - Zeiten

Autor: Manuel | Datum: 20 September 2012, 11:34 | Kommentare deaktiviert

Die Sonne geht hier das ganze Jahr über um 6 Uhr auf und um 18 Uhr unter. Diese 12 Stunden werden von vielen auch voll ausgenutzt - ich stehe meist später auf Wink Die Dämmerung dauert insgesamt ca. 1h, ab 18:30 ist es hier also stockfinster. Um 12 Uhr Mittags steht die Sonne wirklich im Zenit, fast senkrecht über mir. Dann ist es echt unangenehm draußen, die Ruander machen aber trotzdem (im Gegensatz zu den Spaniern, oder wars Italien?) keine Siesta!

Die Zeitrechnung richtet sich übrigens nach der Sonne: Um 6 Uhr morgens fängt hier die Stunde 0 des Tages an, um 12 (unserer Zeit) ist es hier also 6 Uhr. Ab 18 Uhr fängt das ganze dann wieder bei 0 an.

Schön hier in Butare ist, dass man nachts problemlos nach Hause gehen kann. Es ist sehr sicher in Ruanda und z.T. wird die Hauptstraße sogar beleuchtet.

Diese Zeiten ändern sich kaum, das ganze Jahr über. In Deutschland merkt man die Unterschiede der Tageslängen zwischen Winter und Sommer ja enorm, Ruanda liegt allerdings so nah am Äquator, dass es kaum Unterschiede gibt. Auch die 4 Jahreszeiten kennt man hier nicht: Laut Wikipedia liegen die Temperaturen jeden Monat konstant zwischen 15° und 26°C – sehr angenehm (wegen den Bergen ist es nicht heißer). Man unterteilt das Jahr hier lediglich in Regen- und Trockenzeit, von beiden gibt es eine kurze und eine lange Periode. Mit meiner Ankunft hier beginnt die kurze Regenzeit, die ca. im Dezember wieder aufhört.

Das heißt allerdings nicht, dass es nur am regnen ist, bisher war es tagsüber oft trocken (aber z.T. sehr bewölkt) und hat höchstens kurz, dafür aber stark geregnet. Ich bin mal gespannt, wie das in der langen Regenzeit wird, denn manche Straßen sind gesäumt von tiefen Regengräben. Wenn es hier regnet steht das Leben übrigens still, man bleibt, wo man ist. Mir wurden schon einige Treffen abgesagt oder man kam deutlich zu spät – es hat ja geregnet!

 

 

Schock im Anti-AIDS Club

Autor: Manuel | Datum: 16 September 2012, 17:30 | Kommentare deaktiviert

Es ist 10 Uhr und ich bin auf dem Weg zur Schule. Die armen Schüler, die gehen Samstags zur Schule… Und ich armer auch ;) Wo muss ich eigentlich hin? Bisher war ich nur einmal da, im Büro der Schulleiterin. Das ist aber verschlossen. Ein Schüler kommt angerannt, er spricht sogar halbwegs Englisch (Unterrichtssprache seit ca. 2 Jahren, jeder sagt was anderes) und kann mich zu einem Lehrer führen.

Jeden Samstag finden hier von 10-12 sogennante „Clubs“ statt, das ist in etwa vergleichbar mit deutschen AGs. Die Schule möchte mich im „Englisch-Club“ sehen, ich würde aber lieber im „Anti-AIDS“ oder „Unity“ (Einheit nach dem Genozid) Club arbeiten – die sind nur leider auf Kinyarwanda.

Der Lehrer informiert mich, dass der „Anti-AIDS Club“-Lehrer krank ist. Ob ich den nicht einfach übernehmen kann? „Ähhhm, ich bin nicht vorbereitet! Aber gerne!“ Zum Glück habe ich noch ca. 10 Minuten, in denen alle Schüler (8./9. Klasse) eingesammelt werden – die dachten sie hätten frei. Viel vorbereiten kann ich trotzdem nicht.

Wir fangen also an mit dem Kennlernspiel „Spinnennetz“, wobei jeder seinen Namen und sein Alter (14-22) nennt und sagt, ob er eine an AIDS erkrankte Person kennt. Erschreckend viele kennen wen – das ist in Deutschland glaube ich anders. Das Spiel funktioniert leider nicht wie von mir gewünscht, die Rückwärts-Runde läuft nicht.

Ich beginne mit einem Rollenspiel: 2 Situationen. 2 Schüler begegnen sich auf der Straße. Einmal hat einer AIDS, einmal keiner. Muss man irgendwelche Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, wenn einer davon AIDS hat? Ziel der pädagogischen Übung: Keine Isolation von AIDS-Erkrankten. Das Ganze misslingt leider, die Schüler sind mit dem Rollenspiel (auf Englisch...) überfordert – Sie sind halt größtenteils Frontalunterricht gewöhnt.

Darauf erstelle ich eine Tabelle auf der Tafel, „was darf ich“ mit einer Person, die AIDS hat tun, „was nicht“? Ich frage die Schüler, ob man eine erkrankte Person küssen darf? Sie sollen sich melden. Nur 3 sagen ja, der Rest enthält sich – ca 20 Schüler. Dieses Unwissen hat mich echt geschockt.

Ich glaube das einzige, was sie über AIDS wissen wurde ihnen eingebläut, ohne dass sie drüber nachdenken sollten, was das eigentlich heißt: „Keinen Sex ohne Kondom“

Irgendwann fällt mir nix mehr ein, dabei habe ich gerade einmal 45 Minuten totgeschlagen… Ich eröffne eine Fragerunde: Was wolltet ihr schon immer über AIDS wissen? (ein riesiges DANKE an die VEM für die super Vorbereitung!) Es kommen unglaublich viele Fragen (zum Glück, dadurch ging viel Zeit um). Leider beteiligen sich vor allem Jungs. „Kriegt man von AIDS einen Hautausschlag?“ „Wird man von AIDS verrückt?“ „Wie lange lebt man danach noch?“ „Wie ist das in Europa und Amerika?“ Diese Runde hat verdeutlicht, dass die eigentlich wenig über AIDS wissen – obwohl dieser Club schon länger existiert. Es ist halt ein Tabu-Thema in der Gesellschaft wurde mir erklärt und die Infos werden frontal eingebläut, ohne dass die Schüler reflektieren, was sie da eigentlich lernen.

 

Fazit:

 

Abgesehen davon, dass mich diese Erfahrung echt geschockt hat (Ich wusste ja, dass es ein riesen Problem ist, aber ich dachte, dass ein Anti-AIDS Club aufklären würde…) hat es mich total motiviert: Ich habe ein paar kreative Ideen, wie man den Schülern Infos näher bringen kann. Und die Schüler schienen sehr begeistert und haben mich darum gebeten nächste Woche wiederzukommen. Mal sehen, was die Schulleitung sagt. Bei so einem wichtigen Thema sollte ich mir aber einen Übersetzer organisieren – Englisch ist für viele halt doch noch eine Überforderung.

Und ich sollte keine pädagogischen Experimente mehr machen, das sind die Schüler nicht gewohnt. Irgendwie muss ich Frontalunterricht so hinkriegen, dass trotzdem alle reflektieren, was ich erzähle.

Übrigens hätte ich nie erwartet, dass ich so früh und intensiv mit diesem Thema konfrontiert werde. Aber ich finds spannend!

 

FOTOS :)

Autor: Manuel | Datum: 13 September 2012, 19:05 | Kommentare deaktiviert

Einige von euch scheinen ja echt gespannt drauf zu sein: Jetzt gibts endlich neue Fotos!

 

Arbeit und Natur

Autor: Manuel | Datum: 06 September 2012, 20:32 | Kommentare deaktiviert

Mwiriwe!

Inzwischen habe ich eine klare Vorstellung von meiner Arbeit, auch wenn ich noch mit nichts anfangen konnte: Ich werde in einer Secondary School, einer weiterführenden Schule, in Rusatira (25km außerhalb von Butare) Mathe in der 7. Und 8. Klasse unterrichten können. Außerdem werde ich Mitarbeitern der Kirche Englisch unterrichten, in Schul-AGs mitwirken und im Chor singen.

[ Apropos Englisch, ein kleiner „schulpolitischer Exkurs“, glaubt bloß nicht, dass es sowas auf nem Blog von Manuel nicht gibt Tongue out  Ich habe in diesen 2 Wochen Englisch sprechen deutlich mehr gelernt als in 3 Jahren Englisch in der Oberstufe. Das deutsche Schulsystem ist in Bezug auf Sprachen echt mangelhaft, weil man wenig spricht und viel analysiert – dafür muss man eine Sprache aber erstmal in Feinheiten beherrschen. Vielleicht will da wer von euch mal mit der Löhrmann drüber reden? Wink ]

Heute möchte ich aber über die ruandische Natur berichten, die ich auf Busfahrten und bei Laufen bestaunen durfte (solange es darüber von mir noch keine Bilder gibt findet ihr auch schöne auf den Blogs von meinen Vorgängern Moritz (http://moritz.vem-freiwillige.de/) und Lisa-Marie (http://lisa-marie.vem-freiwillige.de/) ).

Ruanda ist ein wunderschönes, bergiges Land. Die Temperaturen waren bisher so, dass ein T-Shirt gereicht hat, es aber auch nicht zu warm war. Die Sonne geht hier das ganze Jahr über pünktlich um 6 Uhr auf und unter – man merkt, dass Ruanda fast am Äquator liegt. Wenn ich die Landschaft beschreiben müsste, dann würde ich sagen: Fast wie Deutschland, nur mit anderen Pflanzen und Tieren. Ich habe also noch keine Steppen oder Tropenwälder gesehen, stattdessen ganz viele Bananenplantagen und ein paar Wälder. Die Erde ist rötlich und hat am Anfang sogar anders gerochen, daran habe ich mich aber gewöhnt.

Worauf ich aber eigentlich hinaus möchte ist eine Joggingtour: Da bin ich hier in einen Wald reingelaufen. Das war wunderbar, die Gräser und Bäume haben total intensiv gerochen. Irgendwann bin ich an einer Herde Paviane (glaube ich. Affen auf jeden Fall) vorbeigelaufen, die waren ca. 100m entfernt. Ich als neugieriger Mensch bin natürlich vorsichtig näher ran gegangen (auf einem Weg). Irgendwann habe ich auch in der Umgebung um mich Affen gesehen und bin stehen geblieben. Und ich hab nach links geguckt. Keine 2m entfernt saß ein Pavian geduckt an einen Baumstamm, in der Hoffnung, dass ich ihn nicht sehen würde. Das war unglaublich beeindruckend. Wir haben uns eine Weile angeguckt, bis ich dann zurückgegangen bin. Wahnsinn. Ich hab noch nie Affen so nah gesehen – und das in der freien Natur!

 

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