VEM-Freiwillige   2017/2018   2016   2015   2014   2013   2012   2011   2010   2009 

Alena | Anne | Annika | Augustin | Freddy | Janina | Lars | Lena K | Lena S | Luise | Maike | Manuel | Maren | Mona | Nele | Sebastian | Viola | Wiebke | Yasha

Menu:

Archiv

Blog durchsuchen:

Essen

Autor: Manuel | Datum: 01 November 2012, 12:46 | Kommentare deaktiviert

Heute gibts dann endlich den Blogeintrag, um den mich schon einige gebeten haben: "Was isst man in Rwanda eigentlich??" Ich habe mit der Antwort gewartet, bis ich die Fotos von der Graduation hatte.

Grundsätzlich scheint es oft Buffet zu geben. Dabei gibts als Grundlagen Reis und Pommes, manchmal auch Spaghetti. Typisch Ruandisch sind auch "Kochbananen" (sehr lecker!), die man entweder lange kocht oder fritiert. Diese Bananen habe ich bei uns noch gar nicht gesehen, das sind unreife (grüne) Bananen. Süßkartoffeln findet man hier auch überall, die habe ich aber noch nie im Restaurant oder bei Ruandern gegessen.

Als Beilagen sind rote Bohnen und eine Art Manjok-Brei sehr populär, wer mehr Geld ausgeben möchte serviert Erbsen, evtl mit Möhren. Kohl, Auberginen, Tomaten und Paprika gibt es hier auch, das wurde mir aber auch noch nicht serviert.

Wenn man (besondere) Gäste hat gibt es auch immer Fleisch, was hier ein echtes Luxusprodukt ist. Man bekommt hier Huhn, Kuh, Schwein und Ziege, in teureren Restaurants auch Fisch. Um das ganze landestypisch zu servieren, bereitet man es als Fleischspieß (Brouchette) vor, gerade die Ziegen-Spieße scheinen eine ruandische Spezialität.

Hier schmeckt Fleisch aber sehr anders als Fleisch in Deutschland: Ich habe noch nie Fleischstücke gegessen, die richtig zart waren, dafür gab es aber schon so zähes Fleisch, dass Mona es einmal nicht runter gekriegt hat.

[Das ist eins der Essenssachen, die ich echt vermisse: Ein richtig zartes, großes Medium Steak und eine leckere Fackel]

Aber jetzt erstmal zu den Fotos:

Bei Fabien gab es Reis, Erbsen, Kochbanane, frittierte Kartoffeln und Fleisch:

In der Mitte ist eine Kochbanane, rechts sind

Und bei Annet Ziegen-Brouchette, frittierte Kartoffeln, Reis und Erbsen mit Möhren.

In der Mitte ist Ziegen-Brouchette (Das Vieh wurde vor meiner Haustür geschlachtet und hat echt laut geschrien...), rechts Erbsen mit Möhren und links Reis und frittierte Kartoffeln. Das gab es bei Annets Graduation.

Übrigens geht man zum Buffet nur einmal, nachnehmen darf man normalerweise nicht.

Salat gibt es auch manchmal, als Nachspeise werden Früchte (z.B. kleine Bananen, Ananas) serviert.

Normalerweise isst man hier nur mit einer Gabel, deswegen ist alles so klein zubereitet, dass man kein Messer braucht (z.B. das Fleisch), oder so weich, dass man es mit einer Gabel zerkleinern kann. Gewürzt wird übrigens fast nur mit Salz.

Insgesamt wird hier relativ viel frittiert. Wenn ich selber koche mache ich vieles anders und eher nach europäischer Kochart, denn man bekommt dafür auch nahezu alles.

Dieser Artikel ist garantiert unvollständig, das ist das, was ich bisher vorgesetzt bekommen habe.

Schlussfazit: Sehr lecker, wenn auch nicht so abwechslungsreich!

Ich hoffe ich habe euch jetzt genug Hunger gemacht ;)

Bis bald, Manuel

 

Graduations I: Feiern in Rwanda | Nyungwe Fotos

Autor: Manuel | Datum: 30 Oktober 2012, 23:06 | Kommentare deaktiviert

Letzte Woche hat die NUR, die National University of Rwanda hier in Butare, ihre Studenten graduiert (wie nennt man das in Deutsch?? Also gemeint ist jedenfalls der bestandene Abschluss der Uni + Übergabe des Zeugnisses Wink ). Das heißt, dass in einer Woche ganze 3200 Studenten feierten, letztes Jahr war das alles sogar nur an einem Tag.

Ich hatte das Glück jeden Tag (Dienstag bis Freitag) auf einer dieser „Graduation-Partys“ eingeladen zu sein: Zwei gute Freunde und meine Nachbarin haben ihr Studium abgeschlossen. Die vierte habe ich abgesagt, das war einfach zu viel. „Feiern“ oder „Party“ nach traditionellem ruandischem Verständnis bedeutet nämlich etwas anderes als „Feiern“ bei uns:

Morgens zur offiziellen Graduation in der Uni war ich nur an einem Tag – es war unglaublich langweilig. Die Offiziellen schienen die Veranstaltung nicht allzu ernst zu nehmen, die Studenten waren unglaublich unruhig und aufgeregt, der Spaß fing über 1 Stunde zu spät an und es war einfach nur langweilig (obwohl in Englisch). Nebenbei war die Nacht für mich zu kurz...

Danach ging es dann jeweils weiter mit Familie und Freunden zur „Party“: Nachdem man anfangs zum warm werden einfach so auf lockere Weise im Stehen gequatscht hat, wird einem ein Sitzplatz zugewiesen, den man auch danach nicht mehr wechselt – sehr schade, weil man dadurch nur wenige Menschen kennen lernt und sehr schwierig, wenn man neben Menschen landet, die „nur“ Kinyarwanda sprechen.

Danach werden Getränke serviert (Limonade, bei nicht so strengen Anglikanern auch Bier) und irgendwann wird das Buffet eröffnet: Die „Guests of Honor“ (Eltern, hohe Persönlichkeiten) dürfen zuerst ran, danach geht es hierarchisch weiter. Find ich gut, denn dadurch darf ich als Weißer mir immer relativ früh was holen Laughing Darüber werde ich in einem meiner nächsten Posts nochmal richtig ausführlich berichten – mit Fotos. [Übrigens habe ich für Theogene, meinen Sprachlehrer, ganze 60 Pfannkuchen gebacken^^ Das war echt Arbeit, aber hat sich gelohnt.]

Dann gibt’s wieder Getränke, bevor dann der schönste Teil los geht: Reden, Geschenke, Reden – und noch mehr Reden. Diesmal ist die Hierarchie anders rum, es fangen die „unwichtigsten“ Menschen mit ihren Geschenken an, bis irgendwann die Eltern dran sind und von denen anscheinend oft eine Kuh (Statussymbol) verschenkt wird. Ruander scheinen sehr viel von diesen Reden zu halten und es geht dabei nicht so darum auf den Punkt zu kommen.

Dann hält der Gastgeber (Graduant, Student) eine Abschlussrede und alles ist vorbei. (Manchmal wird noch getanzt)

Insgesamt ist es also deutlich steifer als eine deutsche Feier und man kommuniziert viel weniger miteinander sonder lässt sich mehr berieseln durch Reden. Dafür steht der Gastgeber aber viel mehr im Mittelpunkt.


Ich habs endlich mal wieder geschafft Fotos hochzuladen: Vom Nyungwe-Regenwald

 

Nyungwe Regenwald

Autor: Manuel | Datum: 19 Oktober 2012, 07:43 | Kommentare deaktiviert

Vor 2 Wochen haben wir uns entschieden, für ein Wochenende in den „Nyungwe Forest National Parc“ zu fahren. Das ist ein Regenwald im Südwesten Rwandas, ca. 2,5h von mir entfernt. Wir heißt Mona, Freddy und ich mit 4 anderen „Muzungus“ (Weißen). Die habe ich hier in Butare kennen gelernt, hier sind einige Medizinstudenten für ihre Famulatur. Wir waren eine sehr witzig zusammengemixte Truppe, einige aus Deutschland, eine Schweizerin, ein Belgier und ein Norweger. Das ist schon cool, dass man hier Leute von überall kennen lernt!

Vorher....  [von links nach rechts: Pieter (Belgischer Student, macht Doktorarbeit), Saskia (Schweizer Medizinstudentin, Praktikum), Öystein (Norwegischer Medizinstudent, Praktikum), ich, Mona, Freddy, Tobi (Deutscher Medizinstudent, 4-monatiges Praktikum)] Die Brücke hat übrigens irgendwann echt gefährlich geknackt ;)

Wir sind Samstag losgefahren, haben dort eine Nacht geschlafen und Sonntag eine Guide-Tour, eine Führung, gemacht. Samstag Abend sind wir zum Essen in ein nobles Hotel und waren sehr über die Preise schockiert: Das Buffet hat ganze 5500 rwandische Francs gekostet (ca. 7€). Das ist für rwandische Verhältnisse verdammt teuer! Dafür war unsere Unterkunft sehr billig, aber wir mussten zu zweit in ausgebeulten Betten schlafen, und so gerne hatte ich den Norweger dann doch nicht, dass ich mit ihm kuscheln wollte…Wink Es war also eine sehr schlaflose Nacht. Vorher hab ich es übrigens geschafft die Bustickets für die Rückfahrt fast komplett auf Kinyarwanda zu kaufen ;)

Das Dorf, in dem wir übernachtet und gefrühstückt haben.Um das Dorf sind riesige Teeplantagen für den typischen ruandischen Schwarztee. Im Bild sind Tobias (links) und Öystein

Um von unserer Bleibe zum Startpunkt der Führungen zu kommen bin ich das erste Mal in meinem Leben getrampt, das war echt eine gute Erfahrung. Ist hier problem- und gefahrlos möglich!

Wir haben dann eine 6-stündige Führung gebucht, für die wir alle einen Gehstock in die Hand gedrückt bekommen haben. Erst fand ich dieses Teil etwas sinnlos, aber es war so rutschig im Wald, dass es nachher doch gut war sich abstützen zu können – Rwanda ist ja bekannter weise sehr hügelig und wenn steile Wege nass sind ist das manchmal echt eine Herausforderung! Vor allem wenn es rechts des Weges viele Meter steil bergab geht…

Wie gesagt: Ich habe während der 6-stündigen Tour gar nicht so realisiert, dass ich wirklich in einem Regenwald war. Beim Fotos gucken dafür dann aber umso mehr!

Die Tour war echt schön, wir waren wirklich in einem richtigen Regenwald! Das habe ich in der Situation gar nicht so gerafft, sondern erst später so richtig beim Fotos gucken. Es haben sich zwar nicht viele Tiere gezeigt, dafür haben wir aber Wasserfälle und sehr beeindruckende Pflanzen gesehen. Diese riesigen Bäume sind echt wunderschön und es ist interessant zu sehen, wie im Regenwald wirklich kein cm auf dem Boden unbewachsen ist. Seit der Tour verstehe ich übrigens auch, warum es REGENwald heißt, kurz vor Schluss hat es angefangen so stark zu regnen, dass wir alle komplett durchnässt sind. Dann haben wir uns bei einem „Tee“ (wenig Tee, ganz viel Zucker und Milch[pulver]) wieder aufgewärmt.

Den Rest der Fotos gibts in diesem Album: http://manuel.vem-freiwillige.de/album/58/434

 

Alltag II – Airtimes | VISUM

Autor: Manuel | Datum: 10 Oktober 2012, 21:58 | Kommentare deaktiviert

Ein riesiger Unterschied zwischen Deutschland und Ruanda ist folgender: Ihr habt alle eine Postanschrift (eures Hauses, Postfächer gibt es hier auch) und ein Konto. Das bedeutet, dass vieles per Rechnung, Lastschrift etc. bezahlt wird. Hier gibt’s sowas nicht und deswegen musste man sich Alternativen überlgen:

Will man miteinander telefonieren muss man sich Guthaben in Form von  "Airtimes“ für einen der beiden großen Netzanbieter kaufen. Dafür geht man einfach auf die Straße und sucht sich an der nächstbesten Kreuzung jemanden in einer Weste der Anbieter. Der drückt einem dann sein Handy in die Hand, man gibt seine eigene Handynummer ein und bezahlt den gewünschten Betrag. Das Guthaben wird dann von Handy zu Handy transferiert. Alternativ kann man sich auch „Rubbelkarten“ mit Codes zum Eingeben kaufen.

[Ich habe mich jetzt als so ein Airtime-Verkäufer gemeldet. Die bekommen die Airtimes nämlich für 7% günstiger, ich verkaufe die dann immer an mich selbst Tongue out]

Mit dem Internet läufts genauso: Man muss sich diese Airtimes kaufen und auf einen Internetstick (Internet per Handy-Netz) laden. LAN oder WLAN Verbindungen gibt es hier nämlich wenig, dafür wurden kaum Leitungen verlegt.

[Übrigens reißen sich diese Verkäufer immer um mich, sobald ich die anpeile stürmen die auf mich los. Ein durchschnitts-Ruander kauft nämlich normalerweise nur Airtimes im Wert von ~200RWF (~0,25€), Ich hingegen eher das 10-fache, damit ich nicht täglich da hin muss]

Das komische an der Geschichte ist, dass ziemlich viel auf diese Weise bezahlt wird, Dinge bei denen man gar nicht damit rechnet:

Strom zum Beispiel als „Cashpower“. Und das bedeutet, dass Strom einfach mal für eine Weile ausfallen kann, nur weil man kein Geld bezahlt hat. Sehr nervig, wobei mein Gästehaus regelmäßig bezahlt Wink

Oder Fernsehen: Man bezahlt für 1 Monat einen gewissen Betrag, je nachdem, wie viele Programme man empfangen möchte. Den Code gibt man dann im Receiver ein – und dann läuft der Fernseher.


Zuletzt noch eine wunderbare Nachricht: WIR HABEN UNSERE VISA! Für unsere Vorgänger war es sehr problematisch und es hat lange gedauert da ran zu kommen, letztendlich haben sie es über „Connections“ hinbekommen. Uns ist der Stress damit zum Glück erspart geblieben!

 

Was Gottesdienst FEIERN hier bedeutet:

Autor: Manuel | Datum: 30 September 2012, 11:51 | Kommentare deaktiviert

Ich gehe die Bänke entlang, alle sind am singen. Nicht im Sitzen wie in Deutschland, sondern im Stehen. Eine unglaubliche Energie. Manche reißen die Arme hoch oder springen. Selbst die älteren „gehen mit“, auch sie tanzen und klatschen. Vorne stehen ein paar Sänger und ein Musiker – es gibt hier sogar Mikros, ein Mischpult, Keyboards, Gitarren, Bass und Schlagzeug. So wird Minutenlang gefeiert. Der Funke kann irgendwie noch nicht ganz überspringen, ich bin noch nicht bereit dazu so aus mir raus zu kommen.

„hallelujah“ – „amen“

„Halleluujah“ – „Amen“

„HALLELUUJAAHH“ – „AMEN“

Es ist 10, das Aufwärmen ist vorbei. Ich verstehe nichts mehr, der Pastor spricht nur Kinyarwanda und mein Übersetzter hält nur wenige Sätze wichtig genug um übersetzt zu werden. Wir haben uns hingesetzt und gucken so der Reihe nach vielen Chören zu, die vorne Vorsingen, die Gemeinde singt mit. Irgendwie sind hier alle Gesangstalente. Und die Lieder sind wunderschön!

Beten. Das bedeutet (gefühlt) minutenlang beten. Einer betet mit Mikro, viele andere murmeln eigene Gebete.

Irgendwann wird ein Korb vorne in die Mitte gestellt – die Kollekte! Ich weiß noch nicht ganz, ob es eine Reihenfolge beim nach vorne gehen gibt. Egal, einfach hingehen, singend, manche tanzend.

Dann kommt die Predigt, auf Kinyarwanda, von meinem Bischof. Der charismatischste Mensch, den ich kenne! Er ist dauernd am gestikulieren, geht umher. Bückt sich, springt. Und seine Stimme nutzt er nach allen Künsten der Rhetorik aus. Spannend!

„Guten Tag“ – Hä?? „Guten Tag!“

Er bindet gerade seine Deutschkenntnisse und mich in die Predigt ein, ich weiß aber immer noch nicht was er über mich redet. Neulich hat er vor einer Predigt gefragt, ob er in Kinyarwanda, Englisch oder Französisch predigen soll, echt unglaublich.

Dann ist es vorbei. 3 Stunden hats gedauert.

Das war ein Kinyarwanda-Gottesdienst.

 

«zurück   1 2 3 4 5 6 7 8 9 10  vor»