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Alltag IV | Neues zum Genießen

Autor: Manuel | Datum: 14 Dezember 2012, 14:31 | Kommentare deaktiviert

Letzte Woche habe ich ja viel von Essen geschrieben, das es hier nicht gibt. Dafür gibt es aber wunderbare andere, unglaublich leckere Dinge!

An erster Stelle stehen da wohl die Früchte. Mein absoluter Favorit: Eine richtig frische, reife und sehr süße Ananas. Das ist nicht vergleichbar mit den nachgereiften „Ananas“, die man in Deutschland bekommt. Echt lecker!

Ich zähle einfach mal auf, was es sonst noch so an Früchten gibt: Baumtomaten (habe ich vorher noch nie gegessen. Süß-Sauer und sehr lecker im Fruchtsalat!), Maracuja (der Favorit vieler anderer Deutscher. Gibt´s wohl auch in Deutschland – sei aber sehr teuer), Papaya, Orangen (gelb?!) und Mandarinen, Bananen (große wie bei uns, die deutlich mehr Geschmack haben; kleine, die eine super Portion für zwischendurch sind), Mangos uvm…

Auch das „Fastfood“ schmeckt hier unglaublich gut: Man bekommt in vielen, kleinen Läden Backwaren (Capati, Sambusa/Samosa, Amandazi etc). Das meiste davon ist triefend in Fett gebraten – echt ungesund – aber sehr lecker. Soll aus dem asiatischen oder arabischen Raum kommen.

Und Fleisch hat hier wirklich Geschmack. Man muss zwar echt Glück haben (sehr schwer!), dass es nicht zu zäh ist, aber dann schmeckt man wirklich auch Fleisch anstatt Salz, Geschmacksverstärker und Gewürzen, wie im Deutschen Massentierhaltungsfleisch.

Um mal nicht nur übers Essen zu reden: Man kann sich hier sehr günstig Sachen nähen lassen. Ich habe mir inzwischen eine Schlafanzughose aus ruandischen Stoffen und Schuhe (ähnlich FlipFlops, tragen hier viele) machen lassen. Das ist echt bequem!

Soviel erst mal dazu. Vermutlich wird mir das meiste und essentielle aber erst bewusst, wenn ich wieder in Deutschland bin…

 

Alltag III - Verzicht

Autor: Manuel | Datum: 06 Dezember 2012, 17:17 | Kommentare deaktiviert

Wenn man als Europäer nach Rwanda kommt erlebt man an vielen Stellen Verzicht, denn es gibt viele Produkte, die man hier in Rwanda nicht bekommt – die in Deutschland aber zum Alltag gehören.

Ich fange mal beim Frühstück an: Kakao ist ein Luxusprodukt, weil es kein ruandisches Kakaopulver gibt und Milch sehr teuer ist. Kaffee hat sich hier noch nicht eingebürgert, auch wenn viel angebaut wird. Schwarzbrot gibt’s auch nicht, es wird nur Weißbrot gegessen (Und ich habe unglaublich Glück, dass es sogar zwei Graubrotsorten in der ganzen Stadt gibt!). Sobald man etwas mehr Geld hat leistet man sich dann Honig oder Marmelade als Aufstrich – Käse, Wurst oder Nutella sind ebenfalls absoluter Luxus!

Und wo wir schon bei leckeren Essenssachen sind: Schokolade, die man halbwegs genießen kann, ist sehr teuer. Ihr wisst gar nicht wie gut eine Milka nach 3 Monaten Entzug schmeckt!! (Habe gerade ein Paket von Freunden bekommen – das hat mich jetzt erstmal mit all diesem Luxus für das nächste Viertel-Jahr ausgestattet – vielen Dank nochmal Wink )

Insgesamt werden alle Importprodukte (z.B. Essen, Technik) mindestens zu den europäischen Preisen verkauft – das ist aber für Rwanda absolut überteuert! (Währungsungleichheit. Vielleicht später mehr dazu)

Ansonsten kommt es häufiger vor, dass Strom oder Wasser ausfallen (falls man denn einen Anschluss für fließend Wasser/Strom hat). Besonders, wenn es regnet. Aber jeder Rwander ist darauf vorbereitet: Überall sind Kerzen und Taschenlampen griffbereit. Und Wasserkanister zählen auch zur Grundausstattung. Wasser aus dem Wasserhahn ist nicht einfach so trinkbar, dass muss man erst abkochen.

Und wo wir gerade in der Adventszeit sind: In den Läden gibt es fast keine Weihnachtsprodukte, adventlich geschmückt ist außer meinem Zimmer auch nichts. Bin mal gespannt darauf, wie Weihnachten wird!

So, für heute dürft ihr jetzt alle einmal ein bisschen Mitleid haben Wink Nächste Woche werde ich euch dann neidisch machen mit den Dingen, die man nur hier bekommt – denn das möchte ich nicht so einseitig negativ stehen lassen!

 

Armut

Autor: Manuel | Datum: 30 November 2012, 15:08 | Kommentare deaktiviert

Ich habe ja mit Armut gerechnet, aber nicht in dem Ausmaß, wie sie einem hier manchmal förmlich entgegenspringt.

Vorweg einmal gerade zu den Löhnen: Es ist nicht unüblich hier bei Feldarbeiten etc. ~40.000 RWF (50€) pro Monat zu verdienen. Als Lehrer an einer Weiterführenden Schule sind 90.000 RWF (110€) ein Monatsgehalt, von dem ich öfters gehört habe. Und selbst ein Mitarbeiter einer amerikanischen NGO verdient „gerade einmal“ 250.000 RWF (310€). Allerdings muss man noch beachten, dass der Wechselkurs sehr unfair ist – Euros sind einfach unglaublich viel Wert. Wir bekommen 75€ monatlich für Verpflegung, und das reicht auch aus, wenn man sich hier selber bekocht. Allerdings müssen wir keine Wohnung oder Schulgebühren von diesem Geld bezahlen – und leben alleine! Deswegen ist es für Feldarbeiter, die gerade einmal 50€ verdienen sehr schwer die Familie zu ernähren und die Kinder zur Schule gehen zu lassen.

(edit: mein Gaestehausmitarbeiter verdient gerade einmal 15.000RWF pro Monat - keine 20 Euro!)

Und gerade, wenn man in Dörfer fährt, fällt das eben echt auf: Dort begegnet man Kindern in komplett zerrissener und verdreckter Kleidung. Die Wohnungen sind so klein, dass man sich wundert, wie dort 10 Menschen reinpassen. Man sieht ganz viele Krankheiten, die echt ekelig aussehen: Pilz auf Köpfen; gebrochene Körperteile, die falsch zusammengewachsen sind und ganz viele „Auswüchse“, die ich nicht näher beschreiben möchte. Und das obwohl die staatliche Krankenkasse meines Wissens nur 3000 (3,75€) pro Jahr kostet und man dann „nur noch“ 10% der Behandlung selber zahlen muss.

Aber das was mich am meisten schockiert ist die Sauberkeit: Ich habe sehr viele Kinder mit verdreckten Gesichtern gesehen. Und meiner Einschätzung nach müsste man dafür relativ einfach Wasser zum Waschen finden, da reicht ja etwas Flusswasser.

Und dann guckt man sich Bill Gates, den Microsoft Gründer, an: Er ist zweitreichster Mann der Welt mit 61 Mrd.$. Und woher kommt dieses Geld? Nahezu jeder Mensch im „Westen“ besitzt ein Microsoft Produkt und auch hier in Ruanda ist nahezu jeder PC ein Windows-PC. Meiner Meinung hat also jeder Mensch weltweit zu seinem Reichtum beigetragen (Konsum oder Produktion) – wenn auch eventuell nur indirekt. Das mag vielleicht mehr eine Milchmädchenrechnung sein, trotzdem hat aber jeder Mensch weltweit (!) durchschnittlich 8,71$ zu seinem Vermögen beigesteuert. Was hätte sich der arme Dorfbewohner in Ruanda wohl alles davon kaufen können?

 

Weißsein

Autor: Manuel | Datum: 22 November 2012, 11:18 | Kommentare deaktiviert

Als Weißer in Ruanda ist man ein bisschen wie das schwarze Schaf in der weißen Herde – nur eben andersrum: Man fällt unglaublich auf. Manchmal ist das echt praktisch und an anderen Stellen sehr schade oder nervig. Was es in der Realität im Alltag bedeutet möchte ich euch heute mal schreiben:

Es fängt damit an, dass mich schon sehr viele angesprochen haben: „Hey Emmanuel (die kennen die Kurzform nicht), ich seh dich regelmäßig laufen!“ Ich wunder mich dann immer, denn ich erkenne beim Laufen niemanden.

Man fällt hier eben echt auf und manche halten uns Weiße sogar für was richtig besonderes, was ich aber gar nicht sein möchte: Neulich wollten ein paar Kongolesen (die ich nicht kannte) ein Foto mit mir haben – Ich fühl mich aber gar nicht als Star...

Aber vor allem Kinder in Dörfern scheinen uns für Stars zu halten, da gehen dann manchmal Horden von Kindern (Rekord war schätzungsweise 30 – echt nicht schön!) neben einem her und versuchen Händchen zu halten...

Das macht es sehr schwer hier ein „normaler“ Mensch zu werden, egal wie gut man Kinyarwanda spricht oder die Kultur kennt.

Man begegnet uns hier mit vielen Vorurteilen, das weit verbreitetste ist wohl, dass alle Weißen natürlich reich sind. Deswegen wird man von vielen Motorrad-Taxis angehupt, ob man denn nicht mitfahren möchte – zu Ruandern machen sie das nie.

Manche wollen einfach nur mit mir befreundet sein, um den Sprung ins „Paradies“ (wie sie glauben) zu schaffen – nach Europa/Amerika. Oder es geht um Geld, ich wurde schon gebeten ein Haus zu bezahlen – für jemanden den ich überhaupt nicht kannte.

Aber bevor das jetzt zu negativ erscheint geht es jetzt mal um die Vorteile:

Andere warten in der Bank unglaublich lange, bis sie dran kommen. Ich verstehe dieses Wartesystem überhaupt nicht und stelle mich deswegen einfach so dumm wie ich bin, so dass ein Mitarbeiter auf mich zukommt.

Als Weißer habe ich hier schon sehr viele hohe Persönlichkeiten getroffen. Das fängt bei UN-Mitarbeitern geht weiter über eine Ministerin bis zum Erzbischof der Anglikanischen Kirche. Und neulich das Highlight:

Die „Tour of Rwanda“ - das nationale Fahrradrennen – hatte in Butare einen Zwischenziel. Im Zielbereich gab es eine Art V.I.P.-Bereich, in die man eigentlich nur als Pressesprecher oder Mitarbeiter reinkam. Drum herum standen unglaublich viele Ruander, die alle näher dran wollten, aber von der Security zurückgedrängt wurden. Wir (ein paar andere Freiwillige und ich) konnten dort einfach vorbei und uns direkt zu den ganzen Fotografen vorm Siegertreppchen stellen – ohne überhaupt angesprochen zu werden. Das war echt cool ;)

Alles in allem ist es vor allem eins: Unfair. In manchen Fällen möchte ich gar nicht auffallen und in anderen Fällen ist es total unfair für die Ruander. Ich kann daran nur leider nichts ändern und nehme es deshalb einfach hin – im positiven und im negativen.

 

Schnipp schnapp - Haare ab!

Autor: Manuel | Datum: 09 November 2012, 07:16 | Kommentare deaktiviert

 

Mittwoch war es so weit, mir waren meine Haare zu lang. Darum bin ich zum Friseur, aber nicht alleineLaughing Mit dabei war Théogène, ein ruandischer Freund, ohne den das mit dem Kommunizieren sehr schwer geworden wäre. Im Endeffekt wäre das ganze reden zwar auch überflüssig gewesen, aber dazu später. Auch da waren Mona, Wiebke und Maria, die eigentlich einmal den Rasierer in die Hand nehmen wollten, aber irgendwie wurde das nichts. (Übrigens hat mich das ganze sehr ans Brille kaufen erinnert, da waren wir auch so viele)

So sah es im Friseursalon aus. Schwer zu erkennen, aber hinter mir stehen (v.l.) Wiebke, Mona, Théogène, der Friseur und Maria.

Wir haben also zu fünft den Laden gesürmt und haben Théogène gebeten zu übersetzten: Ist es möglich, dass der Friseur die Haare einfach kürzer schneidet? Mit der Schere? Ich weiß nicht, ob der überhaupt gewusst hätte, wie man weiße Haare kürzer schneidet, aber als Antwort kam jedenfall: Wir haben hier keine Schere. Soviel dazu, damit hatte sich die Frisurenauswahl sehr beschränkt.

"Auf wie viel Centimeter schneidet denn der gröbste Rasierer?" - "4cm". Was für den Friseur 4cm bedeutet seht ihr unten. Wir waren jedenfalls optimistisch und haben gesagt: Fangen wir doch damit erstmal an, später kann ja noch mehr ab.

Ja und dann gings auch schon los: brrrrrrrrrrr

Soviel wurde abgeschnitten. Im Hintergrund ist Théogène, auch wenn er gerade nicht so begeistert guckt ;)

Nach dem Rasieren habe ich dann sogar noch eine Haarwäsche (mit warmem Wasser) + Massage bekommen - echt super! Und der ganze Spaß hat auch nur ~2€ gekostet.

So sah ich vorher aus...

... und das ist jetzt meine neue Frisur:

So siehts jetzt aus.

In Deutschland habe ich von solchen Frisuren ja echt nicht viel gehalten, aber hier gab es ja keine Auswahl Laughing Mir macht nur ein bisschen Sorge, dass die Sonne mir den Kopf verbrennen wird... Ich jedenfalls habe mich dran gewöhnt und find es echt in Ordnung, es macht total Spaß sich jetzt durch die Haare zu wuscheln Tongue out 

Was sagt ihr?

 

 

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