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Nabaze isake – Hähnchen schlachten in Rwanda

Autor: Manuel | Datum: 06 Mai 2013, 18:14 | Kommentare deaktiviert

Gestern habe ich es getan, ein Vorhaben, das ich schon seit Deutschland vor hatte: Ein Huhn (bzw Hahn, es war männlich ;-) ) zu schlachten.

Ich habe mir eine Herausforderung gestellt: Entweder ich bin in der Lage, mein Essen selber zu schlachten, oder ich werde Vegetarier. Ich finde es nämlich äußerst problematisch, wie in Deutschland die Herstellung vom Konsum getrennt wird. Als Käufer und Esser von Fleisch hat man mit der Zucht, dem Schlachten und Ausnehmen gar nichts zu tun. Dadurch wird Fleisch zu etwas sehr sachlichem, abstrakten, das sich kaum von einem Brot unterscheidet. Schmeckt halt anders. Etwas, dass man einfach so in Massen essen kann, ohne über irgendetwas nachzudenken. Ich muss ja nicht selber in den Massentierhaltungsstall. Ich muss ja nicht selber das Messer ansetzen. Ich muss auch nicht die Innereien rausschneiden. Und ich sehe auch nicht das ganze Fleisch, was in Deutschland nicht gegessen wird, sondern exportiert wird (Innereien, Hals etc., wir essen ja fast ausschließlich Schenkel, Brust und Flügel – ein Huhn besteht aber aus deutlich mehr, was z.T. exportiert wird). Ich glaube, wir hätten einige Probleme weniger, wenn der gesamte Essenskonsum nicht von der Herstellung getrennt wäre… (z.B. bei Mcs Fleisch innerhalb von 1 Minute essfertig zu bekommen…)

Soviel zu meinen moralischen Beweggründen. Jetzt komme ich mal zum Schlachten ;-)

Das Einkaufen war schon eine Herausforderung, weil die (Hähnchen-)Märkte nur ungünstig bzw. gar nicht geöffnet waren. Théogène, ein Freund von mir, hat aber dafür gesorgt, dass wir trotzdem nicht leer ausgingen: Er hat den Luxus, dass seine Eltern ein Auto haben, und so sind wir beiden in ein Nachbardorf auf den Markt. Dort wurden die Hünchen dann inspiziert, uns wurden ein Duzend unter die Nase gehalten. Bei jedem wurde gefühlt, wie dick die Schenkel sind, wie schwer es ist, wie groß es ist. Wir wollten nämlich mit 8 Mann essen – ein großes musste her! Als wir fündig wurden haben wir dann den Preis verhandelt. 7,50€.

Das war das Prachtstück. Ich habe vorher noch nie ein Huhn angefasst oder gestreichelt, glaube ich…

Danach ging es zurück nach Hause. Théogène hatte erst später Zeit, aber zwei andere ruandischen Freunde haben mir beim Schlachten geholfen, damit das Ganze professionell über die Bühne geht. Ich bin den dreien echt dankbar für ihre Hilfe, ohne sie hätte ich das nicht hinbekommen!

Fabien hat beim Schlachten assistiert: Er hat den Hahn auf dem Boden festgehalten, so dass ich nur den Kopf und das Messer halten musste. Und dann ging`s auch schon los. Fragt mich nicht, was ich gedacht oder gefühlt habe. Mein Kopf war glaube ich relativ leer gefegt, da war nur Platz für Adrenalin und etwas wie: „Wenn du das jetzt nicht packst wirst du Vegetarier!“ Und dann musste alles durch. Luftröhre, Hauptschlagadern, Wirbelsäule (die dauert ganz schön lange!). Danach hatte ich nen Kopf in der einen, nen blutiges Messer in der anderen Hand. Und Blutspritzer auf meinen Armen. Aber es war getan. Die Frauen hatten mit der Situation einige Probleme und waren etwas hysterisch und angeekelt… Fragt bitte auch nicht, ob es Spaß gemacht hat. Spaß und Töten passt für mich nicht zusammen.

Fabien hält den Hahn, während ich den Kopf abschneide

Übrigens stimmt es, dass Hühner nach dem Tod weiterlaufen, wenn man sie nicht betäuben kann. Von den Außenstehenden kam irgendwann die Aufforderung an Fabien „Let it go, let it go!“ (Lass es Laufen), weil es sehr am Zappeln war – obwohl der Kopf ab war. Naja, die Details erspar ich euch, das ist ein äußerst komisches Gefühl, so ein kopfloses Tier durch die Gegend laufen bzw. springen zu sehen. Gut, dass es noch angeleint war…

Nachdem es aufgehört hat zu zucken haben wir heißes Wasser drüber gegossen und es darin „gebadet“. Dadurch kann man dann die Federn ganz einfach ausrupfen – Patrick hat Mona und mir gezeigt, wie das geht. So ein Huhn hat ganz schön viele Federn, vor allem kleine, die man schlecht raus kriegt!

Patrick zeigt Mona und mir, wie man die Federn rausreißt. Vorher haben wir heißes Wasser drüber gegossen und das Huhn darin

Danach gab es dann eine Anatomiestunde von Fabien und Patrick: Ich habe den Hahn aufgeschnitten, und wir mussten die Innereien rausbekommen. Man erkennt erstaunlich gut, was Lunge, Herz, Darm, Magen etc. ist. Das rausschneiden ist gar nicht mal so leicht (und dauert lange für Unerfahrene), denn es gibt ein grün/blaues Teil, das das gesamte Fleisch schlecht schmecken lässt, wenn man es zerstört. Und es ist nicht so lecker, wenn man den Darm anschneidet… Danach haben wir es dann zerlegt: Füße abschneiden, Brustfleisch rausschneiden, die Wings abtrennen (=Flügel | Schonmal darüber nachgedacht, wie viele Hühnchen sterben müssen für eine Packung Chicken-Wings?), Rippen etc. Sehnen sind echt stabil, auch die von kleinen Tieren! Oft war es einfacher zu brechen anstatt zu schneiden…

Dann haben wir das Fleisch noch weiter zerkleinert und angefangen zu kochen: Reis, Mischgemüse (Erbsen mit Möhren) und eine Tomatensoße für das Fleisch. Insgesamt 4 Stunden nach dem Kauf, ca. 3 Stunden nach dem Schlachten war der Hahn dann auf dem Tisch – so frisches Fleisch habe ich noch nie gegessen! Aus Symbolik habe ich dann u.a. auch das Herz gegessen. Schmeckt!

Das waren dann die Stückchen, die in den Kochtopf kamen. Echt viel von so einem Huhn, es ist zu 8. sogar noch was über geblieben. Erkennt ihr was wieder? Schenkel, Flügel oder Rippen? Vorne links, das

Und dann haben wir alle gemeinsam gegessen, Mona (VEM), Lisa-Marie (Meine Vorvorgängerin), die drei Ruander Fabien, Théogène und Patrick und zwei Kanadier, Brit und Sean. Vielen Dank euch allen! (Und danke übrigens auch an Mama und Papa für das super scharfe Messer! Das hat dem Hahn glaube ich einiges an Leiden erspart…)

So, damit darf ich nach wie vor Fleisch essen ;-)

Noch mehr Bilder gibt´s hier: pictures

 

Fußball, Champions League und Fans

Autor: Manuel | Datum: 30 April 2013, 15:02 | Kommentare deaktiviert

Ich gehe ins Auditorium der Universität. Es ist sogar eine Stunde vor Anpfiff, aber irgendwie ist es schon komplett voll – überall (männliche) Studenten. Ein Freund wollte mir nen Platz freihalten, daraus wurde aber nix. Darum teilen wir uns einen Platz. Das sind kleine Plastitkklappsitze mit Armlehne, echt unbequem zu zweit für 3 Stunden!

Jeder Zentimeter wird genutzt, Fluchtwege sind voll von Menschen, keine Armlehne am Gang bleibt leer. Tische werden angeschleppt zum drauf sitzen. Ich hab mal überschlagen: Es sind fast 1000 Sitzplätze, insgesamt dürften es aber über 1700 Studenten sein!

Niemand isst eine Bratwurst, keiner hat eine Chipstüte. Keine Vuvuzelas. Und es gibt auch nirgendwo was zu trinken, weder Wasser noch Limonade und erst recht kein Bier. Sowas braucht man hier nicht um eine super Atmosphäre zu haben:

Ich frag meinen Nachbarn, für welches Team er denn ist. „Bayern! Hier sind fast alle für Bayern! Barcelona ist zu gut, die gewinnen zu oft wegen Messi!“ Ist doch schön, dann bin ich nicht der einzige, der Bayern gewinnen sehen möchte ;-)

Dann kommt Müller, 1:0 für Bayern. Viele springen auf, pfeiffen, jubeln, schreien, freuen sich. Ich bin total fasziniert. Ich sitze hier in Butare in Ruanda, über 6000km entfernt von diesen beiden Teams – und bin inmitten einer jubelnden Masse – für diese Teams! Oder besser gesagt für Bayern :-p

Gomez setzt nach, die Jubelrufe werden lauter. Es gibt Fangesänge?!?!! Und wir sind nicht mal im Stadion…

Als Robben dann das 3:0 schießt ist die Eskalation perfekt. Vor mir ziehen sich Jungs die T-Shirts aus und springen auf die Sitze. Die Atmosphäre ist unbeschreiblich. Fesselnd. Begeisternd. Unglaublich mitreißend.

Messi ist am Ball, und jeder hier am pfeifen. Ich komme mir vor wie im Signal Iduna Park... Mit einem Unterschied: Es gibt keine besoffenen Randalierer.

Als Müller dann nochmal punktet ist die Stimmung am kochen.

Mittwochabend war ich wieder da, der BVB war gegen Madrid dran. Die Stimmung war genauso gut. Es war genauso voll. Am Donnerstag sind Examen, aber Fußball ist halt wichtiger. Es ist echt unbeschreiblich, besser als jeder deutsche Biergarten, für mich kann das nur durch ein echtes Stadion getoppt werden. Und selbst da brauchen viele Menschen Alkohol, um sich so ins Spiel zu steigern.

Heute und morgen Abend ist dann die Rückrunde. Wir werden dann wohl zeitgleich Fußball gucken ;-) Hoffen wir mal, dass es ein deutsches Finale gibt!

 

Post-Genozid-Gesellschaft

Autor: Manuel | Datum: 21 April 2013, 15:49 | Kommentare deaktiviert

Vor ziemlich genau 19 Jahren hat der Genozid begonnen. Ich bin jetzt 20. Viele meiner Freunde haben den Genozid als Kinder miterlebt. Jeder Erwachsene ist durch diese Zeit geprägt.

Der Holocaust in Deutschland hat vor 68 Jahren aufgehört, da waren unsere (Ur-)Großeltern Kinder. Trotzdem lässt er sich in der Gesellschaft noch spüren, finde ich. Hier sind es 19 Jahre. 1 Generation.

Ruanda sieht von außen betrachtet aus, wie ein sehr fortschrittliches und fortschreitendes Entwicklungsland, verglichen mit den umgebenden Ländern. Fährt man durch die Straßen, sieht es nicht arm aus. Geht man durch die Straßen, ist man sicher. Auch nachts. Die Regierung kämpft für „Unity“ (Einheit) und hat viele Kampangen und Projekte am Laufen, die gegen die Folgen des Genozids kämpfen.

Aber das ist alles nur äußerer Schein. Ein ganzes Jahrhundert „Ethnientrennung“ geht natürlich auch nicht spurlos an einer Gesellschaft vorbei…

Am auffälligsten sind die vielen „verkrüppelten“ Menschen, die Waisen und die Straßenkinder. Freunde von mir haben beide Eltern und viele Geschwister verloren, sie leben jetzt bei Verwandten. Sowas ist hier Normalität. Außerdem gab es viele Vergewaltigungen, die für eine Explosion der HIV/AIDS-Rate gesorgt haben.

Des Weiteren gibt es hier viele Parallelgesellschaften. Nach dem Ende des Genozids sind die vielen Flüchtlinge (die z.T. über mehrere Generationen im Ausland lebten) zurückgekommen. Sie sprachen kein Kinyarwanda, sondern ausländische Lokalsprachen, Französisch oder Englisch. Hier in Ruanda bleiben sie unter sich.

Und dann sind da die verborgenen Dinge, die man als Tourist gar nicht, und auch als Freiwilliger nur schwer mitbekommt: Die Trennung in zwei Gruppen ist noch längst nicht überwunden. Ob man zur Ober- oder Unterschicht gehört, hängt nicht nur von Geld und Talent ab, sondern nach wie vor auch von der "Ethnie". Ein anderer Freiwilliger saß neulich (während der Memorial week!) in einer Kneipe mit einem „Hutu“-Freund, in der Kneipe waren aber bis auf zwei Ausnahmen nur „Tutsis“. Es gab die ganze Zeit komische Sprüche, die der Freiwillige nicht verstanden hat. Nachher wurde ihm übersetzt, dass es etwas war wie: „Was macht denn der Hutu hier?!? Raus mit ihm!“ „Hör auf so zu reden, zumindest für die Memorial week!“ „Pfffhhh“

Das Ganze erinnert mich sehr an Deutschland, wo aktuelle Studien besagen, dass immer noch ein großer Teil der Bevölkerung antisemitische Überzeugungen hat. Oder wo Deutsche mit türkischen Wurzeln als Ausländer bezeichnet werden. Wo Witze über Minderheiten in Schulen an der Tagesordnung stehen.

Nach dem Holocaust und dem Genozid in Ruanda hieß es immer „Never again!!“ Denken eigentlich alle Menschen unserer Bevölkerungen tiefgründig darüber nach, was dieser Satz WIRKLICH bedeutet?!?

 



 

(Dieser Post klingt jetzt sehr negativ, weil es vor allem um das verbliebene Gedankengut geht. Trotzdem hat sich Ruanda unwahrscheinlich gut vom Genozid und dessen Folgen erholt, nicht dass ein falscher Eindruck entsteht! In der Region gehört ist es wohl das weitest-entwickelte Land.)

 

 

Völkermord

Autor: Manuel | Datum: 13 April 2013, 11:11 | Kommentare deaktiviert

Die Ruanda-Flagge vor der Halle ist auf halbmast. „Und dann kamen sie mit den Macheten in die Kirche, wo wir uns versteckt hatten.“ Der Saal ist komplett voll, ganz hinten stehen viele. „Sie haben geschrien. Kakerlaken!!“ Es ist Nachmittag, Gedenkwoche. „Dann fingen sie an. Sie haben auf uns eingeschlagen mit den Macheten.“ Mein Übersetzter stockt. „Sie haben keinen Unterschied gemacht. Männer, Frauen, Kinder.“


1959 wurde für die Kolonialmacht Belgien absehbar, dass Ruanda bald unabhängig würde. Zur Machtsicherung halfen sie den „Hutus“ zur Revolution gegen die „Tutsi“-Monarchie und lösten dadurch die erste heftige Eskalation aus, bei der viele Menschen starben. Als Folge flohen viele Menschen in die Nachbarländer, schon bevor Ruanda 1962 unabhängig wurde.

In den Nachbarländern schlossen sich die „Tutsi“-Flüchtlinge zur Rebellenarmee RPF zusammen,  die Ruanda „befreien“ wollte. Das setzte die regierenden „Hutus“ unter Druck – und sie gaben den Druck an die Bevölkerung weiter, in Form von Propaganda. Diese wurde über Radios, das neue Medium, verbreitet. „Tutsis“ wurden als „Kakerlaken“ bezeichnet, sie wurden entmenschlicht und zu einer Bedrohung erklärt. Angst war ein wichtiger Faktor – Angst vor der RPF und nach der Wirtschaftskriese in den 80ern. So wurde der Genozid durch jahrelange Propaganda vorbereitet, mit dem „Endziel“ der Vernichtung der „Tutsis“.

Durch internationale Truppen, v.a. Franzosen, wurde das „Hutu“-Militär unterstützt, ausgebildet und ausgerüstet. Am 6. April 1994 hat eben dieses Militär dann mit dem Völkermord angefangen, ausgelöst durch den Abschuss des Flugzeugs vom „Hutu“-Präsidenten.

Direkt zu Beginn wurden 10 Blauhelm-Soldaten umgebracht, die die Premierministerin beschützen sollten. Dies und die Morde an US-Soldaten in Somalia ´93 haben dazu geführt, dass die UN nahezu alle Truppen abgezogen hat - weswegen sie heftigst kritisiert wird.

Der Genozid an sich ist unbeschreiblich. Ich habe inzwischen Augenzeugenberichte gehört, Filme mit live-Szenen und Spielfilme gesehen, Gedenkstätten besucht und viel gelesen. Und ich kann es mir immer noch nicht im Ansatz vorstellen, noch kann ich verstehen, was passiert ist.

Gute Nachbarn haben sich getötet. Freunde sind aufeinander losgegangen. Kleine, unschuldige Kinder wurden gegen Wände geschlagen, bis sie tot waren. Menschen wurden tot geprügelt. Täter haben mit Macheten auf ihre Opfer eingehackt, selbst nach dem Tod. Kirchen, Schulen etc. wurden zum Schutz aufgesucht – und zur Falle.

Mordwaffen in 38% der Fälle: Macheten. Unvorstellbar für mich, dass Mörder den zahlreichen Opfern so direkt in die Augen geguckt haben. Eine unglaublich brutale Weise, ermordet zu werden…

Ruanda hatte zu dem Zeitpunkt ca. 7Mio Bewohner. Die Regierung sagt 1.050.000 „Tutsis“ und moderate „Hutus“ wurden ermordet, andere Quellen gehen von etwas weniger aus. Täter: Je nach Quelle zwischen mehreren 10.000 und 3.000.000 – ganz normale Menschen. Über Million Menschen sind in die Nachbarländer geflohen.

Die Rebellenarmee RPF (Partei des jetzigen Präsidenten) hat den Genozid im Juli 1994 nach ca. 100 Tagen durch die Einnahme Ruandas beendet, wobei sie von den Franzosen durch die „Operation Tourquoise“ behindert wurde (Des Weiteren konnten viele „Hutu“-Täter durch diese Operation fliehen). Dabei wurden wieder Menschenrechtsverletzungen begangen – diesmal gegen die „Hutus“. Wobei das verleugnet wird – genaue Opferzahlen etc. sind unbekannt.

Für Interessierte empfehle ich den Spielfilm „Shooting Dogs – Mord unter Zeugen“ oder auch „Hotel Ruanda“, in denen reale Ereignisse des Genozids und die Rolle der UN aufgegriffen werden.

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„Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“

- Meister Yoda, Star Wars Episode I -

 

Genocide memorial week - und die Einteilung in "Ethnien"

Autor: Manuel | Datum: 08 April 2013, 11:18 | Kommentare deaktiviert

Der Chor ist fertig und geht von der Bühne. Keiner klatscht. Keiner war am tanzen. Mein Nachbar verschluckt sich am Kaugummi, Christoph (Deutscher) lacht leise. „NICHT lachen!!!“ Der Moderator leitet über zum nächsten Programmpunkt. Sein grauer Anzug passt zum grauen Schmuck an den Wänden.

Aschgrau.

Die Farbe hatten auch die Halstücher beim Trauermarsch. Wir sind von einer Genozid-Gedenkstätte zur Stadthalle gegangen und mir wurde erklärt, dass grau die ruandische Farbe der Trauer ist. Der Marsch war komisch, so eine Stimmung kannte ich nur aus Deutschland. Kein Lachen, kein Kinderbrüllen, keine Autos – kein Lärm. Irgendwie leblos.

 

Ruanda steht jetzt Kopf für 1 Woche. „Twibuke jenoside“ Wir gedenken den Genozid gegen die Tutsi vor 19 Jahren.

Bisher habe ich noch nichts über den Genozid geschrieben. Das möchte ich mit den kommenden Einträgen nachholen. Aber ich fange mal ganz von vorne an, denn um den Genozid zu verstehen muss man bis in die Kolonialgeschichte zurück:

 

Um eine Kolonie zu regieren gab es verschiedene Möglichkeiten. In Ruanda hat man sich entschieden eine Machtelite zu erfinden, die für die westliche Kolonialmacht das Land regiert und von ihr beeinflusst wird.

Die Deutschen haben damit hier angefangen, weil Ruanda ab Ende des 19. Jahrhunderts deutsche Kolonie war. Man hat versucht Menschen zu kategorisieren, in Rassen bzw. Ethnien einzuteilen, nach dem Motto: Welche Nasenform ist schlauer? Natürlich hat das nicht wirklich funktioniert, deswegen hat man sich für ein Gemisch entschieden: Anzahl der Kühe, Nasen- bzw. Gesichtsform und Größe.

Man hat die Bevölkerung also ziemlich willkürlich in 3 Gruppen eingeteilt: ~15% wurden „Tutsis“ genannt, die Machtelite. Oftmals besaßen sie mehr als 10 Kühe. Die „Hutus“, ~80% der Bevölkerung, besaßen oft auch Kühe, aber weniger. Und die Minderheit, „Twa“ genannt, waren Töpfer.

Nach dem Verlust des 1. Weltkriegs hat Deutschland Kolonien verloren: Ruanda musste an Belgien abgetreten werden. Die neue Kolonialmacht hat die Einteilung offiziell gemacht: Ab 1933 wurden Ausweise verteilt, in denen festgehalten wurde, zu welcher Gruppe man gehörte.

Heutzutage wird der daraus entstandene Konflikt oft als „ethnischer“ Konflikt bezeichnet. Ein amerikanischer Soziologieprofessor hat mir allerdings einmal erklärt, dass dieser Begriff falsch sei: Es waren keine Ethnien, in die die Bevölkerung eingeteilt wurden. Es war reine Willkür, die Einteilung war vollkommen sinnfrei. Unsere Sprache  habe für diesen Konflikt, für diese Gruppeneinteilung kein passendes Wort (er bezog sich auf das Englische, was dem Deutschen in der Hinsicht jedoch sehr ähnlich ist, finde ich)!

Das fand ich äußerst schockierend, zu erfahren, dass der daraus entstandene Völkermord nicht mal im Ansatz eine handfeste Grundlage hat. Die Bevölkerung wurde einfach eingeteilt, ohne jeden Verstand.

 (Infos: Mündliche Erzählungen, Internet)

 

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