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Neues vom Friseur

Autor: Manuel | Datum: 08 Juni 2013, 16:50 | Kommentare deaktiviert

Seit längerem hatte ich einen gewagten Schritt vor, ich wollte mal wissen, wie ich eigentlich ohne Haare aussehe. Und ich habe mir gedacht: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Also ist Mona dieses Wochenende vorbei gekommen und wir sind zum Friseur. Wir haben harmlos angefangen mit 10mm und sind dann immer weiter runter - 6mm - 3mm. Als ich dem Friseur dann sagte: "Schneid alles ab, 0mm!" Hat der nur gesagt: "Nein!!" Und sich mehrmals vergewissert, ob ich das denn auch wirklich ernst meine. Dann musste er sich erst mit seinen Kollegen besprechen. Mona hat ihm dann angeboten, den Anfang zu machen - er hat seinen Job dankend abgegeben, und so hat Mona den Kopf kahl rasiert Wink

Er hat dann noch nachgearbeitet, bis ich eine Frisur hatte, die viele ruandische Männer auch haben: Es sind ca. 0,5mm geblieben. Aber seht selber:

So sah ich vorher ausSo sehe ich jetzt ausIch im seitenprofil

Vorher                                - Nachher

In diesem Album findet alle Bilder über meine Friseurbesuche.

Aber keine Sorge, ab jetzt bis zu meiner Ausreise (24.8.) werde ich meine Haare länger wachsen lassen! Bis bald, Manuel

 

PS: Mona war übrigens noch nie beim Friseur - ich in letzter Zeit fast wöchentlich Tongue out

 

"Marathon"

Autor: Manuel | Datum: 27 Mai 2013, 22:10 | Kommentare deaktiviert

 

Wie beschäftigt sich Manuel eigentlich in seiner Freizeit? Wichtiger Bestandteil ist definitiv kochen. Und mehrmals die Woche abends: Laufen. Ziemlich seit Beginn meines Freiwilligenjahres bin ich am trainieren mit dem Franzosen Ronan, dem Australier Tim und dem Ruander Patrick.

Ronan und ich haben uns dann dieses Jahr das Ziel gesetzt beim „International Peace Marathon“ in Kigali mitzulaufen. Letzten Sonntag (19.5.) wars dann so weit: Um 7:45 ging es los, für mich zuerst mit Durchfall… Nach knapp vier Stunden habe ich es dann geschafft gehabt, auf 1500 Metern Höhe, über viele, steile Hügel und ab 9 Uhr unter der knalligen Sonne. Es war zwischendurch ein harter Kampf und viel Überwindung, aber es hat sich echt gelohnt.

Insgesamt haben gerade einmal 144 Läufer teilgenommen, weswegen ich ab dem 20.km ziemlich alleine war… 119 haben es geschafft – Ich war 111ter :D Aber ich bin sehr zufrieden mit meiner Zeit gewesen, obwohl es nur 37km waren (darum ist die Überschrift in Anführungszeichen), irgendwo ist den Organisatoren leider ein Fehler passiert… :-/

Der schnellste (Kenianer) hätte auf 42km ~2:30h gebraucht, was für einen Marathon echt langsam ist (Berliner Weltrekord: knapp über 2h) – liegt an den vielen Hügeln!

Vielen Dank an all die vielen Menschen, die mich beim Training, beim Lauf und im Ziel unterstützt haben! (u.a. Mona, Théogène, Maria, Fabien, Lisa, Chizu, Ayako, Mika, Patrick)


Ronan und ich nach dem Marathon

Ronan und ich nach dem Lauf

 

 

African Time, Pünktlichkeit und Enttäuschungen

Autor: Manuel | Datum: 25 Mai 2013, 14:17 | Kommentare deaktiviert

Anfang September 2012; Rwanda, Butare; 15:00 Uhr: Ich sitze im Gemeinschaftsraum des Gästehauses, bereite schon mal Tee vor. Ich habe gestern mit einem Freund abgesprochen, dass wir uns heute um 3 Uhr treffen. Es wird 3:30. Keine SMS, kein Besucher. So geht es weiter, bis es 17:00 wird – er ist immer noch nicht da. Ich bin total enttäuscht, „Typisch African Time“, denke ich mir. Toller Anfang des Freiwilligenjahrs. Und er hat nicht mal ne SMS geschrieben…

Irgendwann vorher, Deutschland; 15:10 Uhr: Ich bin auf dem Rad, unterwegs zu einem Freund. Verdammt, schon 10 Minuten zu spät! Ich hab ihm kurz noch geschrieben, dass ich es nicht ganz pünktlich schaffen werde. Ich fahr schneller. Oh, den da rechts kenne ich, ein guter Freund! „Hey, bin grad im Stress, wir sprechen uns später!“ 5 Minuten danach bin ich da. Er ist genervt. Ich bin k.o. Mir ist es peinlich, ich ärger mich. Mal wieder zu spät gewesen…

Februar, 2013; Rwanda, Butare; 19:30 Uhr: Ich gehe zur Uni. Eigentlich wollte ich um 7 da sein, aber irgendwie hab ich das nicht ganz geschafft. Ich hab aber eine SMS geschrieben, dass ich es nicht pünktlich schaffe. Oh das Gesicht von dem da kenne ich, ein flüchtiger Bekannter. Schade, den Namen kenne ich nicht mehr… „Hey Manuel“ - „Hi, wie geht´s?“ – „Gut!“ … 3 Minuten später gehe ich gechillt weiter. 45 Minuten zu spät bin ich dann da, rufe den Freund an, mit dem ich verabredet bin. Er hat mir einen Platz freigehalten, also kein Problem. Champions League gucken. Ich setz mich neben ihn, und freue mich aufs Spiel. Keiner ist enttäuscht.

 

„Die Deutschen haben die Uhr, die Afrikaner die Zeit!“

 

Wohl wahr. Oben habe ich drei Szenen geschildert, die ich durchgemacht habe. Ähnliche Situationen, aber ganz unterschiedliche emotionale Resultate.

Deutsche Pünktlichkeit schafft Verlässlichkeit. Es macht das Leben planbar, ich weiß, wenn ich morgens aufstehe, wo ich nachmittags um 16:39 Uhr bin. Ruandisches Zeitmanagement funktioniert anders, ich stehe morgens auf, und gehe das Ganze irgendwie spontaner an. Wir als Deutsche lästern immer drüber.

Im letzten Blogeintrag habe ich am Ende ein Video über „Single Storys“ gepostet, über einseitige Eindrücke. Heute möchte ich euch mal einen anderen Eindruck vermitteln:

Pünktlichkeit schafft Verlässlichkeit, aber wehe dem, der nicht pünktlich ist. Der ist sofort unzuverlässig. In Szene 1 und 2 gibt es Enttäuschung. Durch ein Ideal: Pünktlichkeit. Kennt ihr das nicht auch? Enttäuscht von anderen sein, weil sie zu spät sind? Ist euch diese Woche bestimmt schon mehrmals passiert, oder? Und ich kannte auch die Enttäuschung bei mir selbst, wenn ich es mal wieder nicht geschafft habe, pünktlich zu sein. Wenn ich wen anders enttäuscht habe.

Pünktlichkeit schafft also Verlässlichkeit. Aber vor allem schafft sie auch negative Gefühle. Enttäuschungen.

Enttäuschung wegen Pünktlichkeit habe ich seit November nicht mehr gefühlt. Und ich wurde oft enttäuscht. Und ich war oft zu spät. Aber es hat mich emotional nicht mehr berührt, es war normal. Für mich steht der Wert „Pünktlichkeit“ nicht mehr so weit vorne. Wenn ich jemanden auf der Straße treffe, obwohl ich zu spät bin, dann nehme ich mir Zeit zum Hallo sagen. Egal ob das der Bischof, mein bester Freund, oder eben „nur“ ein flüchtiger Bekannter ist. Das hat Priorität. Wenn ich dann ankomme bin ich zufrieden. Ich habe auf dem Weg soziale Kontakte gepflegt. Mein Gegenüber ist nicht enttäuscht. Er war auch zu spät. Was sind denn auch schon 30Minuten, warum muss man deswegen so einen Stress machen in Deutschland? Viel zu hektisch.

Wenn Pünktlichkeit als Ideal weniger wichtig ist erreiche ich doch viel mehr! Ich habe Zeit für Dinge, die wichtiger sind. Ich muss nicht um lächerliche 15 Minuten kämpfen. Wie oft habt ihr diese Woche schon um UNTER 5 Minuten gekämpft, seid zur Bushaltestelle gerannt, seid in der 50er-Zone 70 gefahren – habt Leben riskiert - weil ihr zu spät wart? Wir oft habt ihr diese Woche Essen reingeschlungen, weil ihr keine Zeit für so etwas „unwichtiges“ hattet? Wie oft seid ihr diese Woche an Freunden vorbei und habt euch nicht Zeit genommen für mehr als ein nichtssagendes „Guten Tag“?

Ich weiß, dass diese Werteverschiebung nicht funktioniert in Deutschland. Ich weiß, dass ich mich ändern werden muss – was ich echt nicht will. Aber überdenkt euer Pünktlichkeitsideal einmal – und die Priorität dieses Ideals im Vergleich zu anderen Werten.

 

VEM-Seminar für Mitarbeiter und Stipendiaten

Autor: Manuel | Datum: 17 Mai 2013, 16:18 | Kommentare deaktiviert

In der letzten Woche hat die VEM ein Seminar für Mitarbeiter und Stipendiaten aus der Region Afrika organisiert – hier in Ruanda. Dabei waren neben Ruandern u.a. Kongolesen, Tansanier, Kameruner, Deutsche und Entsandte nach Namibia und Südafrika. Das Austauschprogramm der VEM ist echt umfangreich und vielschichtig. Es ist ähnlich wie das Freiwilligenprogramm nicht nur eine Einbahnstraße, in der Deutsche nach Afrika oder Asien entsendet werden (Nord-Süd), sondern bietet auch die andere Richtung (Süd-Nord) an, sowie den Süd-Süd-Austausch: Afrikaner können in Asien arbeiten (und andersrum) sowie in anderen afrikanischen Ländern. Das finde ich eine echt gute, gleichberechtigte und effektive Weise der Partnerschaft!

Beim Seminar haben sich jetzt diese Mitarbeiter der verschiedenen Programme versammelt, sowie Studenten, die ein Stipendium (oft für ein anderes Land) von der VEM haben. Später können und sollen sie dann ihr Erlerntes für die Mitgliedskirche einbringen. Das Thema war Versöhnung im besonderen Bezug auf den Genozid in Ruanda und den (z.T. daraus resultierenden) Konflikt im Ost-Kongo. Es war echt spannend in den Pausen von den verschiedenen Teilnehmern sehr verschiedene Sichtweisen mitzubekommen.

In den Pausen? Genau, denn wir (Mona, Katrin, später auch Freddy) waren für die Kinderbetreuung verantwortlich, wodurch wir nicht so viel vom offiziellen Programm mitbekommen haben: Ein paar der Mitarbeiter hatten ihre Kinder mitgebracht, und für die waren wir verantwortlich. Das waren zwar nur 2 (zwischendurch 4), aber es war sprachlich eine Herausforderung: Sie sprachen Kisuaheli anstatt Kinyarwanda… Es ist trotzdem gut gelungen, insbesondere, weil Katrin Suaheli spricht. Für mich war es eine völlig neue Erfahrung, weil ich bisher vor allem mit Kindern ab min. 6 Jahren gearbeitet habe – normalerweise sogar eher Jugendliche. Die beiden waren gerade einmal 3 und 4 Jahre alt.

Insgesamt hat es sich sehr gelohnt, ich habe viel vom Seminar mitgenommen aus Gesprächen, der Kinderbetreuung etc. Und es war richtig schön, die Arbeit der VEM mal von der anderen Seite mitzubekommen!

Um euch ein bisschen an den Inhalten teilhaben zu lassen möchte ich euch zwei Videos (englisch) empfehlen, in denen es darum geht, wie wir die Welt gerne betrachten: Als Single Story!

Africa for Norway – Radi Aid (Youtube - Spendenaktion)

The danger of a Single Story – Chimamanda Adichie (deutsche Untertitel - CNN - Ted.com)

 

Altkleiderspenden - Beitrag für den Gemeindebrief

Autor: Manuel | Datum: 12 Mai 2013, 08:00 | Kommentare deaktiviert

Für meine Salzufler Kirchengemeinde habe ich einen Bericht geschrieben, er ist am in der aktuellen Ausgabe des Gemeindebriefes abgedruckt. Es geht um Altkleidersammlung: Vor über einem Jahr wurde ein Skandal aufgedeckt – die AltkleiderSPENDEN sind dubiose Spenden, falls man sie denn überhaupt noch „Spenden“ nennen darf. Besonders das DRK geriet dadurch in Kritik, weil es der größte Altkleidersammler in Deutschland ist.

Aber nun zum Brief an die Gemeinde, unten sind dann noch Fotos und Verweise zu weiteren Infos:

 

„Liebe Gemeinde,

ich bin auf dem Weg zum Markt, ich brauche ein „neues“ Hemd. Auf dem Altkleidermarkt ist es am günstigsten. Ich gehe durch die engen Gänge, vorbei an Schuhen, Hosen, T-Shirts, Bettwäsche – es gibt alles, was man braucht. Die vielen Verkäufer heißen mich willkommen an ihren winzigen Verkaufstischen und preisen ihre Ware an.  Ich wühle mich durch die Stapel. H&M. Adidas. Ein Sportshirt vom „TG Bamberg“. Lacoste. FC Bayern Trikot. Puma. Hemden für 5-10€, T-Shirts für 4€ - Preise wie bei kik in Deutschland, für mich erschwinglich, für viele Ruander zu teuer. Ich bin vollkommen überwältigt von dem Angebot – ein riesiges Stockwerk voller Altkleider!

Eine ganze Zeit vorher haben Deutsche dem DRK Altkleider gespendet. „Helfen Sie armen Kindern in Afrika!“ stand auf dem Container.

Aber wo DRK drauf steht ist nicht so wirklich DRK drin: Es verkauft 90% der gespendeten Altkleider an Händler, die den „Abfall“ nach Afrika exportieren – Nur 10% bleiben in Deutschland. Laut Bundesregierung werden pro Jahr 104.000 Tonnen Altkleider nach Afrika exportiert (~1,3kg/Bürger). Und die Altkleidersammler (z.B. DRK) verdienen pro verkaufter Tonne 450€!! (45ct/kg) Ist das noch eine Spende??

Und was passiert mit den Altkleidern hier in Afrika? Sie werden eben nicht „an die armen Kinder“ gespendet, sondern verkauft. Natürlich kann man jetzt argumentieren, dass es ja unglaublich hohe Logistikkosten gibt, bis die Kleidung verkauft ist. Das rechtfertigt aber trotzdem noch nicht den Verkauf der Waren, denn dadurch wurde hier der lokale Textilienmarkt zerstört: Die Kleider werden so billig angeboten, dass Schneider und Produzenten vor Ort nicht mithalten können. Es gibt keinerlei Fabriken für T-Shirts, Hosen etc. Nur traditionelle Stoffe werden noch vor Ort hergestellt. Das DRK und der „BVSE Fachverband Textilrecycling“ sehen das anders: Die asiatischen Billigprodukte seien Schuld am zerstörten Textilienmarkt. Falsch. Denn laut ARD sind 80% der getragenen Kleidung Altkleider.

An dieser Stelle möchte ich Sie, liebe Leser, nun um etwas bitten: Unsere Gemeinde hat ein richtig gutes Projekt zur Weiterverwertung von Altkleidern aufgebaut – die Altkleiderspenden nach Eben Ezer! Der Überschuss wird an die Organisation „FairWertung“ weitergegeben. Sammeln Sie Ihre Kleidung bitte für dieses Projekt und speisen Sie nicht die Container von DRK und Co. Ich erlebe nämlich hier, wie unsere gut gemeinten „Spenden“ eben nicht gespendet werden und wie dadurch wichtige Arbeitsplätze zerstört wurden. Daran können nur wir etwas ändern – als Spender!

Manuel Wiemann, zur Zeit im Freiwilligenjahr in Ruanda“

Die Altkleidersammler hätten das Shirt mal lieber aussortieren sollen…

 

      Weitere Infos:

 (weiter)

 

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