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"Marathon"

Autor: Manuel | Datum: 27 Mai 2013, 22:10 | Kommentare deaktiviert

 

Wie beschäftigt sich Manuel eigentlich in seiner Freizeit? Wichtiger Bestandteil ist definitiv kochen. Und mehrmals die Woche abends: Laufen. Ziemlich seit Beginn meines Freiwilligenjahres bin ich am trainieren mit dem Franzosen Ronan, dem Australier Tim und dem Ruander Patrick.

Ronan und ich haben uns dann dieses Jahr das Ziel gesetzt beim „International Peace Marathon“ in Kigali mitzulaufen. Letzten Sonntag (19.5.) wars dann so weit: Um 7:45 ging es los, für mich zuerst mit Durchfall… Nach knapp vier Stunden habe ich es dann geschafft gehabt, auf 1500 Metern Höhe, über viele, steile Hügel und ab 9 Uhr unter der knalligen Sonne. Es war zwischendurch ein harter Kampf und viel Überwindung, aber es hat sich echt gelohnt.

Insgesamt haben gerade einmal 144 Läufer teilgenommen, weswegen ich ab dem 20.km ziemlich alleine war… 119 haben es geschafft – Ich war 111ter :D Aber ich bin sehr zufrieden mit meiner Zeit gewesen, obwohl es nur 37km waren (darum ist die Überschrift in Anführungszeichen), irgendwo ist den Organisatoren leider ein Fehler passiert… :-/

Der schnellste (Kenianer) hätte auf 42km ~2:30h gebraucht, was für einen Marathon echt langsam ist (Berliner Weltrekord: knapp über 2h) – liegt an den vielen Hügeln!

Vielen Dank an all die vielen Menschen, die mich beim Training, beim Lauf und im Ziel unterstützt haben! (u.a. Mona, Théogène, Maria, Fabien, Lisa, Chizu, Ayako, Mika, Patrick)


Ronan und ich nach dem Marathon

Ronan und ich nach dem Lauf

 

 

African Time, Pünktlichkeit und Enttäuschungen

Autor: Manuel | Datum: 25 Mai 2013, 14:17 | Kommentare deaktiviert

Anfang September 2012; Rwanda, Butare; 15:00 Uhr: Ich sitze im Gemeinschaftsraum des Gästehauses, bereite schon mal Tee vor. Ich habe gestern mit einem Freund abgesprochen, dass wir uns heute um 3 Uhr treffen. Es wird 3:30. Keine SMS, kein Besucher. So geht es weiter, bis es 17:00 wird – er ist immer noch nicht da. Ich bin total enttäuscht, „Typisch African Time“, denke ich mir. Toller Anfang des Freiwilligenjahrs. Und er hat nicht mal ne SMS geschrieben…

Irgendwann vorher, Deutschland; 15:10 Uhr: Ich bin auf dem Rad, unterwegs zu einem Freund. Verdammt, schon 10 Minuten zu spät! Ich hab ihm kurz noch geschrieben, dass ich es nicht ganz pünktlich schaffen werde. Ich fahr schneller. Oh, den da rechts kenne ich, ein guter Freund! „Hey, bin grad im Stress, wir sprechen uns später!“ 5 Minuten danach bin ich da. Er ist genervt. Ich bin k.o. Mir ist es peinlich, ich ärger mich. Mal wieder zu spät gewesen…

Februar, 2013; Rwanda, Butare; 19:30 Uhr: Ich gehe zur Uni. Eigentlich wollte ich um 7 da sein, aber irgendwie hab ich das nicht ganz geschafft. Ich hab aber eine SMS geschrieben, dass ich es nicht pünktlich schaffe. Oh das Gesicht von dem da kenne ich, ein flüchtiger Bekannter. Schade, den Namen kenne ich nicht mehr… „Hey Manuel“ - „Hi, wie geht´s?“ – „Gut!“ … 3 Minuten später gehe ich gechillt weiter. 45 Minuten zu spät bin ich dann da, rufe den Freund an, mit dem ich verabredet bin. Er hat mir einen Platz freigehalten, also kein Problem. Champions League gucken. Ich setz mich neben ihn, und freue mich aufs Spiel. Keiner ist enttäuscht.

 

„Die Deutschen haben die Uhr, die Afrikaner die Zeit!“

 

Wohl wahr. Oben habe ich drei Szenen geschildert, die ich durchgemacht habe. Ähnliche Situationen, aber ganz unterschiedliche emotionale Resultate.

Deutsche Pünktlichkeit schafft Verlässlichkeit. Es macht das Leben planbar, ich weiß, wenn ich morgens aufstehe, wo ich nachmittags um 16:39 Uhr bin. Ruandisches Zeitmanagement funktioniert anders, ich stehe morgens auf, und gehe das Ganze irgendwie spontaner an. Wir als Deutsche lästern immer drüber.

Im letzten Blogeintrag habe ich am Ende ein Video über „Single Storys“ gepostet, über einseitige Eindrücke. Heute möchte ich euch mal einen anderen Eindruck vermitteln:

Pünktlichkeit schafft Verlässlichkeit, aber wehe dem, der nicht pünktlich ist. Der ist sofort unzuverlässig. In Szene 1 und 2 gibt es Enttäuschung. Durch ein Ideal: Pünktlichkeit. Kennt ihr das nicht auch? Enttäuscht von anderen sein, weil sie zu spät sind? Ist euch diese Woche bestimmt schon mehrmals passiert, oder? Und ich kannte auch die Enttäuschung bei mir selbst, wenn ich es mal wieder nicht geschafft habe, pünktlich zu sein. Wenn ich wen anders enttäuscht habe.

Pünktlichkeit schafft also Verlässlichkeit. Aber vor allem schafft sie auch negative Gefühle. Enttäuschungen.

Enttäuschung wegen Pünktlichkeit habe ich seit November nicht mehr gefühlt. Und ich wurde oft enttäuscht. Und ich war oft zu spät. Aber es hat mich emotional nicht mehr berührt, es war normal. Für mich steht der Wert „Pünktlichkeit“ nicht mehr so weit vorne. Wenn ich jemanden auf der Straße treffe, obwohl ich zu spät bin, dann nehme ich mir Zeit zum Hallo sagen. Egal ob das der Bischof, mein bester Freund, oder eben „nur“ ein flüchtiger Bekannter ist. Das hat Priorität. Wenn ich dann ankomme bin ich zufrieden. Ich habe auf dem Weg soziale Kontakte gepflegt. Mein Gegenüber ist nicht enttäuscht. Er war auch zu spät. Was sind denn auch schon 30Minuten, warum muss man deswegen so einen Stress machen in Deutschland? Viel zu hektisch.

Wenn Pünktlichkeit als Ideal weniger wichtig ist erreiche ich doch viel mehr! Ich habe Zeit für Dinge, die wichtiger sind. Ich muss nicht um lächerliche 15 Minuten kämpfen. Wie oft habt ihr diese Woche schon um UNTER 5 Minuten gekämpft, seid zur Bushaltestelle gerannt, seid in der 50er-Zone 70 gefahren – habt Leben riskiert - weil ihr zu spät wart? Wir oft habt ihr diese Woche Essen reingeschlungen, weil ihr keine Zeit für so etwas „unwichtiges“ hattet? Wie oft seid ihr diese Woche an Freunden vorbei und habt euch nicht Zeit genommen für mehr als ein nichtssagendes „Guten Tag“?

Ich weiß, dass diese Werteverschiebung nicht funktioniert in Deutschland. Ich weiß, dass ich mich ändern werden muss – was ich echt nicht will. Aber überdenkt euer Pünktlichkeitsideal einmal – und die Priorität dieses Ideals im Vergleich zu anderen Werten.

 

VEM-Seminar für Mitarbeiter und Stipendiaten

Autor: Manuel | Datum: 17 Mai 2013, 16:18 | Kommentare deaktiviert

In der letzten Woche hat die VEM ein Seminar für Mitarbeiter und Stipendiaten aus der Region Afrika organisiert – hier in Ruanda. Dabei waren neben Ruandern u.a. Kongolesen, Tansanier, Kameruner, Deutsche und Entsandte nach Namibia und Südafrika. Das Austauschprogramm der VEM ist echt umfangreich und vielschichtig. Es ist ähnlich wie das Freiwilligenprogramm nicht nur eine Einbahnstraße, in der Deutsche nach Afrika oder Asien entsendet werden (Nord-Süd), sondern bietet auch die andere Richtung (Süd-Nord) an, sowie den Süd-Süd-Austausch: Afrikaner können in Asien arbeiten (und andersrum) sowie in anderen afrikanischen Ländern. Das finde ich eine echt gute, gleichberechtigte und effektive Weise der Partnerschaft!

Beim Seminar haben sich jetzt diese Mitarbeiter der verschiedenen Programme versammelt, sowie Studenten, die ein Stipendium (oft für ein anderes Land) von der VEM haben. Später können und sollen sie dann ihr Erlerntes für die Mitgliedskirche einbringen. Das Thema war Versöhnung im besonderen Bezug auf den Genozid in Ruanda und den (z.T. daraus resultierenden) Konflikt im Ost-Kongo. Es war echt spannend in den Pausen von den verschiedenen Teilnehmern sehr verschiedene Sichtweisen mitzubekommen.

In den Pausen? Genau, denn wir (Mona, Katrin, später auch Freddy) waren für die Kinderbetreuung verantwortlich, wodurch wir nicht so viel vom offiziellen Programm mitbekommen haben: Ein paar der Mitarbeiter hatten ihre Kinder mitgebracht, und für die waren wir verantwortlich. Das waren zwar nur 2 (zwischendurch 4), aber es war sprachlich eine Herausforderung: Sie sprachen Kisuaheli anstatt Kinyarwanda… Es ist trotzdem gut gelungen, insbesondere, weil Katrin Suaheli spricht. Für mich war es eine völlig neue Erfahrung, weil ich bisher vor allem mit Kindern ab min. 6 Jahren gearbeitet habe – normalerweise sogar eher Jugendliche. Die beiden waren gerade einmal 3 und 4 Jahre alt.

Insgesamt hat es sich sehr gelohnt, ich habe viel vom Seminar mitgenommen aus Gesprächen, der Kinderbetreuung etc. Und es war richtig schön, die Arbeit der VEM mal von der anderen Seite mitzubekommen!

Um euch ein bisschen an den Inhalten teilhaben zu lassen möchte ich euch zwei Videos (englisch) empfehlen, in denen es darum geht, wie wir die Welt gerne betrachten: Als Single Story!

Africa for Norway – Radi Aid (Youtube - Spendenaktion)

The danger of a Single Story – Chimamanda Adichie (deutsche Untertitel - CNN - Ted.com)

 

Altkleiderspenden - Beitrag für den Gemeindebrief

Autor: Manuel | Datum: 12 Mai 2013, 08:00 | Kommentare deaktiviert

Für meine Salzufler Kirchengemeinde habe ich einen Bericht geschrieben, er ist am in der aktuellen Ausgabe des Gemeindebriefes abgedruckt. Es geht um Altkleidersammlung: Vor über einem Jahr wurde ein Skandal aufgedeckt – die AltkleiderSPENDEN sind dubiose Spenden, falls man sie denn überhaupt noch „Spenden“ nennen darf. Besonders das DRK geriet dadurch in Kritik, weil es der größte Altkleidersammler in Deutschland ist.

Aber nun zum Brief an die Gemeinde, unten sind dann noch Fotos und Verweise zu weiteren Infos:

 

„Liebe Gemeinde,

ich bin auf dem Weg zum Markt, ich brauche ein „neues“ Hemd. Auf dem Altkleidermarkt ist es am günstigsten. Ich gehe durch die engen Gänge, vorbei an Schuhen, Hosen, T-Shirts, Bettwäsche – es gibt alles, was man braucht. Die vielen Verkäufer heißen mich willkommen an ihren winzigen Verkaufstischen und preisen ihre Ware an.  Ich wühle mich durch die Stapel. H&M. Adidas. Ein Sportshirt vom „TG Bamberg“. Lacoste. FC Bayern Trikot. Puma. Hemden für 5-10€, T-Shirts für 4€ - Preise wie bei kik in Deutschland, für mich erschwinglich, für viele Ruander zu teuer. Ich bin vollkommen überwältigt von dem Angebot – ein riesiges Stockwerk voller Altkleider!

Eine ganze Zeit vorher haben Deutsche dem DRK Altkleider gespendet. „Helfen Sie armen Kindern in Afrika!“ stand auf dem Container.

Aber wo DRK drauf steht ist nicht so wirklich DRK drin: Es verkauft 90% der gespendeten Altkleider an Händler, die den „Abfall“ nach Afrika exportieren – Nur 10% bleiben in Deutschland. Laut Bundesregierung werden pro Jahr 104.000 Tonnen Altkleider nach Afrika exportiert (~1,3kg/Bürger). Und die Altkleidersammler (z.B. DRK) verdienen pro verkaufter Tonne 450€!! (45ct/kg) Ist das noch eine Spende??

Und was passiert mit den Altkleidern hier in Afrika? Sie werden eben nicht „an die armen Kinder“ gespendet, sondern verkauft. Natürlich kann man jetzt argumentieren, dass es ja unglaublich hohe Logistikkosten gibt, bis die Kleidung verkauft ist. Das rechtfertigt aber trotzdem noch nicht den Verkauf der Waren, denn dadurch wurde hier der lokale Textilienmarkt zerstört: Die Kleider werden so billig angeboten, dass Schneider und Produzenten vor Ort nicht mithalten können. Es gibt keinerlei Fabriken für T-Shirts, Hosen etc. Nur traditionelle Stoffe werden noch vor Ort hergestellt. Das DRK und der „BVSE Fachverband Textilrecycling“ sehen das anders: Die asiatischen Billigprodukte seien Schuld am zerstörten Textilienmarkt. Falsch. Denn laut ARD sind 80% der getragenen Kleidung Altkleider.

An dieser Stelle möchte ich Sie, liebe Leser, nun um etwas bitten: Unsere Gemeinde hat ein richtig gutes Projekt zur Weiterverwertung von Altkleidern aufgebaut – die Altkleiderspenden nach Eben Ezer! Der Überschuss wird an die Organisation „FairWertung“ weitergegeben. Sammeln Sie Ihre Kleidung bitte für dieses Projekt und speisen Sie nicht die Container von DRK und Co. Ich erlebe nämlich hier, wie unsere gut gemeinten „Spenden“ eben nicht gespendet werden und wie dadurch wichtige Arbeitsplätze zerstört wurden. Daran können nur wir etwas ändern – als Spender!

Manuel Wiemann, zur Zeit im Freiwilligenjahr in Ruanda“

Die Altkleidersammler hätten das Shirt mal lieber aussortieren sollen…

 

      Weitere Infos:

 (weiter)

 

Nabaze isake – Hähnchen schlachten in Rwanda

Autor: Manuel | Datum: 06 Mai 2013, 18:14 | Kommentare deaktiviert

Gestern habe ich es getan, ein Vorhaben, das ich schon seit Deutschland vor hatte: Ein Huhn (bzw Hahn, es war männlich ;-) ) zu schlachten.

Ich habe mir eine Herausforderung gestellt: Entweder ich bin in der Lage, mein Essen selber zu schlachten, oder ich werde Vegetarier. Ich finde es nämlich äußerst problematisch, wie in Deutschland die Herstellung vom Konsum getrennt wird. Als Käufer und Esser von Fleisch hat man mit der Zucht, dem Schlachten und Ausnehmen gar nichts zu tun. Dadurch wird Fleisch zu etwas sehr sachlichem, abstrakten, das sich kaum von einem Brot unterscheidet. Schmeckt halt anders. Etwas, dass man einfach so in Massen essen kann, ohne über irgendetwas nachzudenken. Ich muss ja nicht selber in den Massentierhaltungsstall. Ich muss ja nicht selber das Messer ansetzen. Ich muss auch nicht die Innereien rausschneiden. Und ich sehe auch nicht das ganze Fleisch, was in Deutschland nicht gegessen wird, sondern exportiert wird (Innereien, Hals etc., wir essen ja fast ausschließlich Schenkel, Brust und Flügel – ein Huhn besteht aber aus deutlich mehr, was z.T. exportiert wird). Ich glaube, wir hätten einige Probleme weniger, wenn der gesamte Essenskonsum nicht von der Herstellung getrennt wäre… (z.B. bei Mcs Fleisch innerhalb von 1 Minute essfertig zu bekommen…)

Soviel zu meinen moralischen Beweggründen. Jetzt komme ich mal zum Schlachten ;-)

Das Einkaufen war schon eine Herausforderung, weil die (Hähnchen-)Märkte nur ungünstig bzw. gar nicht geöffnet waren. Théogène, ein Freund von mir, hat aber dafür gesorgt, dass wir trotzdem nicht leer ausgingen: Er hat den Luxus, dass seine Eltern ein Auto haben, und so sind wir beiden in ein Nachbardorf auf den Markt. Dort wurden die Hünchen dann inspiziert, uns wurden ein Duzend unter die Nase gehalten. Bei jedem wurde gefühlt, wie dick die Schenkel sind, wie schwer es ist, wie groß es ist. Wir wollten nämlich mit 8 Mann essen – ein großes musste her! Als wir fündig wurden haben wir dann den Preis verhandelt. 7,50€.

Das war das Prachtstück. Ich habe vorher noch nie ein Huhn angefasst oder gestreichelt, glaube ich…

Danach ging es zurück nach Hause. Théogène hatte erst später Zeit, aber zwei andere ruandischen Freunde haben mir beim Schlachten geholfen, damit das Ganze professionell über die Bühne geht. Ich bin den dreien echt dankbar für ihre Hilfe, ohne sie hätte ich das nicht hinbekommen!

Fabien hat beim Schlachten assistiert: Er hat den Hahn auf dem Boden festgehalten, so dass ich nur den Kopf und das Messer halten musste. Und dann ging`s auch schon los. Fragt mich nicht, was ich gedacht oder gefühlt habe. Mein Kopf war glaube ich relativ leer gefegt, da war nur Platz für Adrenalin und etwas wie: „Wenn du das jetzt nicht packst wirst du Vegetarier!“ Und dann musste alles durch. Luftröhre, Hauptschlagadern, Wirbelsäule (die dauert ganz schön lange!). Danach hatte ich nen Kopf in der einen, nen blutiges Messer in der anderen Hand. Und Blutspritzer auf meinen Armen. Aber es war getan. Die Frauen hatten mit der Situation einige Probleme und waren etwas hysterisch und angeekelt… Fragt bitte auch nicht, ob es Spaß gemacht hat. Spaß und Töten passt für mich nicht zusammen.

Fabien hält den Hahn, während ich den Kopf abschneide

Übrigens stimmt es, dass Hühner nach dem Tod weiterlaufen, wenn man sie nicht betäuben kann. Von den Außenstehenden kam irgendwann die Aufforderung an Fabien „Let it go, let it go!“ (Lass es Laufen), weil es sehr am Zappeln war – obwohl der Kopf ab war. Naja, die Details erspar ich euch, das ist ein äußerst komisches Gefühl, so ein kopfloses Tier durch die Gegend laufen bzw. springen zu sehen. Gut, dass es noch angeleint war…

Nachdem es aufgehört hat zu zucken haben wir heißes Wasser drüber gegossen und es darin „gebadet“. Dadurch kann man dann die Federn ganz einfach ausrupfen – Patrick hat Mona und mir gezeigt, wie das geht. So ein Huhn hat ganz schön viele Federn, vor allem kleine, die man schlecht raus kriegt!

Patrick zeigt Mona und mir, wie man die Federn rausreißt. Vorher haben wir heißes Wasser drüber gegossen und das Huhn darin

Danach gab es dann eine Anatomiestunde von Fabien und Patrick: Ich habe den Hahn aufgeschnitten, und wir mussten die Innereien rausbekommen. Man erkennt erstaunlich gut, was Lunge, Herz, Darm, Magen etc. ist. Das rausschneiden ist gar nicht mal so leicht (und dauert lange für Unerfahrene), denn es gibt ein grün/blaues Teil, das das gesamte Fleisch schlecht schmecken lässt, wenn man es zerstört. Und es ist nicht so lecker, wenn man den Darm anschneidet… Danach haben wir es dann zerlegt: Füße abschneiden, Brustfleisch rausschneiden, die Wings abtrennen (=Flügel | Schonmal darüber nachgedacht, wie viele Hühnchen sterben müssen für eine Packung Chicken-Wings?), Rippen etc. Sehnen sind echt stabil, auch die von kleinen Tieren! Oft war es einfacher zu brechen anstatt zu schneiden…

Dann haben wir das Fleisch noch weiter zerkleinert und angefangen zu kochen: Reis, Mischgemüse (Erbsen mit Möhren) und eine Tomatensoße für das Fleisch. Insgesamt 4 Stunden nach dem Kauf, ca. 3 Stunden nach dem Schlachten war der Hahn dann auf dem Tisch – so frisches Fleisch habe ich noch nie gegessen! Aus Symbolik habe ich dann u.a. auch das Herz gegessen. Schmeckt!

Das waren dann die Stückchen, die in den Kochtopf kamen. Echt viel von so einem Huhn, es ist zu 8. sogar noch was über geblieben. Erkennt ihr was wieder? Schenkel, Flügel oder Rippen? Vorne links, das

Und dann haben wir alle gemeinsam gegessen, Mona (VEM), Lisa-Marie (Meine Vorvorgängerin), die drei Ruander Fabien, Théogène und Patrick und zwei Kanadier, Brit und Sean. Vielen Dank euch allen! (Und danke übrigens auch an Mama und Papa für das super scharfe Messer! Das hat dem Hahn glaube ich einiges an Leiden erspart…)

So, damit darf ich nach wie vor Fleisch essen ;-)

Noch mehr Bilder gibt´s hier: pictures