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Alltag V - Strom- & Wasserausfälle

Autor: Manuel | Datum: 27 Januar 2013, 11:33 | Kommentare deaktiviert

In meinem Alltag hier bin ich regelmäßig mit einem Problem konfrontiert, das man in Deutschland fast gar nicht kennt: Strom- und Wasserausfälle. Butare ist für rwandische Verhältnisse ja echt eine Großstadt und deswegen habe ich damit nicht in extremen Ausmaßen zu tun, auf dem Dorf ist es deutlich schwieriger (für Mona und Freddy z.B.).

Es ist spannend zu beobachten, was gerade bei Stromausfällen so passiert. In den Familien hier ist man dagegen gewappnet: Sobald der Strom ausfällt werden Kerzen und Taschenlampen rausgeholt, die sind überall griffbereit. Und alle rwandische Handys haben Taschenlampen (echt eine praktische Erfindung, die z.B. am iPhone fehlt!), die dann angemacht werden.

Besonders witzig ist es im Gottesdienst, wenn während einem Lied die Instrumente plötzlich ausfallen (Keyboard, E-Bass, etc.) und die Sänger die Kirche ohne Mikros mit Gesang füllen müssen. Wobei es meiner Meinung gerade dann am schönsten klingt…

Duschen fällt dann auch aus, stattdessen muss man sich irgendwie Wasser über den Kopf schütten oder eine Badewanne suchen (die man dann aber nur zu 3cm mit Wasser füllt, das muss man dann ja in Kanistern schleppen!). Hände waschen, Toilette spülen, Kaffee oder Tee kochen – für alles muss jetzt Wasser geholt werden. Ich habe mir hier einen andern Umgang mit diesen Ressourcen angewöhnt: In Deutschland musste ich ja nie schwitzen Wasser zu holen...

 

Rassismus, weltwärts und Weltwirtschaft

Autor: Manuel | Datum: 17 Januar 2013, 07:23 | Kommentare deaktiviert

Und jetzt bin ich hier, reingeworfen in eine Welt aus Ungleichheiten und darf das Ganze aus der anderen Perspektive bewundern, oder eher verachten. Man hat davon in Deutschland ja mal gehört, ne Doku über die Armut, über die Kinder. ARD berichtete. „Wir werden jetzt alles besser machen!“

Ich bin hier, muss für Flug, Unterkunft, Seminare etc. keinen Cent bezahlen und bekomme sogar noch ein Taschen- und Verpflegungsgeld, bezahlt von der VEM und weltwärts, also Vater Staat.

Was habe ich eigentlich dafür getan, das verdient zu haben? Ich hab nen halbes Jahr bei Toom als Minijobber gearbeitet. Mein Abitur gemacht. Ach ja und Jugendarbeit.

Ne aber mal ernsthaft, habe ich mehr geleistet als geboren zu werden? Habe ich mehr dafür getan, als einfach nur Deutscher zu sein? Habe ich so gesehen überhaupt etwas getan??

Mein Nachtwächter kommt am späten Nachmittag und bleibt bis Vormittags – über 15 Stunden, 7 Tage die Woche. Die Gästehausmitarbeiter kommen morgens bevor ich aufstehe und gehen abends, wenn die Sonne untergeht – 12 Stunden, 7 Tage die Woche.

Das sind Menschen, die etwas geleistet haben. Das sind Menschen, die es verdient hätten sich Urlaub in Deutschland zu leisten, oder 1 Jahr Freiwilligendienst – Stattdessen reicht das Geld nicht mal für die Schulbildung der Kinder. Nur weil sie als Rwander geboren wurden.

In Deutschland war vor einer Weile die NSU aktiv und hat eine Menge Migranten umgebracht. War die Rede von 100? Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß aber, dass alle Medien berichtet haben. „Rassismus in Deutschland“ – „großes Problem“ – „Wir müssen was tun“ – „Verfassungsschutz hat versagt“ Das war Rassismus gegen ca. 100 Menschen in Deutschland.

Durch den Alltag hier in Rwanda sehe ich die Welt anders: Wir als „der Westen“ betreiben Rassismus gegen den Rest der Welt. Und niemand berichtet.

Ich kann hier nach Rwanda, nur weil ich in Deutschland geboren bin. Der Rwander kann das nicht, so mal einfach nach Deutschland. Nur weil er in Rwanda geboren ist.

Ich kann mich in Deutschland mit leckerer Schokolade zu Billigpreisen vollstopfen. Der Rwander kann das nicht, der muss für meinen Luxus hart arbeiten und nagt trotzdem am Hungertuch.

Ich kann Aktien von Nestlé kaufen und damit einen Haufen Geld verdienen. Der Rwander kann das nicht, der verdient für mich dieses Geld.

Unser Weltwirtschaftssystem wird von vielen als „Raubtier- oder Turbokapitalismus“ bezeichnet. Ich möchte diesem System ein anderes Attribut geben: In meinen Augen ist es purer Rassismus.



[edit: Der Comedian Volker Pispers hat das ganze humoristisch aufgearbeitet, zu finden auf Youtube ab 3:00 Min] 

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Besitz an Produktionsmitteln – Warum Karl Marx mit seiner Kritik recht hat

Autor: Manuel | Datum: 13 Januar 2013, 11:17 | Kommentare deaktiviert

Hier in Butare gibt es verhältnismäßig viele Muzungus – Weiße – die alle im Vergleich zur Bevölkerung relativ wohlhabend sind. Einige davon machen Freiwilligendienste oder Praktika, andere Entwicklungsdienste – und wieder andere haben hier ihre Betriebe aufgemacht.

So leiten Libanesen den größten „Supermarkt“ und zwei teure Restaurants – und viele Muzungus lassen ihr Geld dort anstatt bei lokalen Märkten und Geschäften. Die großen Tee- und Kaffeeplantagen sind im Besitz von Ausländern. Die drei Mobilfunkanbieter sind Aktiengesellschaften aus dem Ausland (Luxemburg, Indien, Südafrika).

Was haben all diese Geschäfte gemeinsam? Es sind riesige, gewinnbringende Absatzmärkte – und all diese Märkte werden von Ausländern besetzt, das große Geld wird von Ausländern gemacht. Das Kapital fließt nicht nach Rwanda – sondern ins Ausland. Nur die kleinen Geschäfte, womit sich nicht viel Geld machen lässt, die bleiben in rwandischer Hand.

Das Problem wird verschärft durch die hohe Arbeitslosenquote in Rwanda (2008 offiziell 30%!!!). Denn jeder sucht Arbeit und ist deswegen bereit zu Hungerlöhnen zu arbeite (s. Eintrag hiervor) – besser als keine Arbeit!

So kann der indische Kaffeeplantagen-Besitzer Rwander für unter 20€ pro Monat einstellen. So können die Aktiengesellschaften (Mobilfunkanbieter) an jeder Straßenecke „Airtime-Seller“ ( http://manuel.vem-freiwillige.de/post/58/825 ) engagieren, die noch weniger als die Plantagen-Arbeiter verdienen.

Ganz viel Kapital fließt also ins Ausland. Und als wäre das nicht schon genug haben sich Nestlé, Toyota und Co gedacht: Wir wollen auch was haben von dem bisschen Geld, dass es in Rwanda gibt.

In Rwanda gibt es für viele dieser Produkte (Autos, Handys, Milchpulver…) nämlich keine Industrie. Sie werden aber gebraucht und deswegen werden sie hierhin exportiert – zu horrenden Preisen, die auch der „kleine Mann“ in Rwanda bezahlen muss.

Das Milchpulver von Nestlé kostet 3€ - der Gewinn geht an die Niederlande. Die Mayonnaise aus Belgien kostet 2,50€. Die hp-Laptops kommen aus den USA, Microsoft verdient auch seinen Anteil. Das chinesische Handy gibt es für 12€. Autos sind zu über 90% aus Japan – Toyota freut sich. Die Oberschicht kauft sich Mercedes. Keine Sorge, wir Deutschen machen bei dem ganzen Spaß mit!

Adam Smith hat die Marktwirtschaft so schön beschrieben. Da gibt es diese tolle unsichtbare Hand: Sie sorgt dafür, dass die Reichen ihr Geld in die Wirtschaft der eigenen Nation stecken – der Geldkuchen wird wieder aufgeteilt und Allgemeinwohl entsteht. Wo ist diese Hand, wenn man sie braucht?? Gibt es die in unserer Globalisierung überhaupt?

Karl Marx unterteilt die Gesellschaft in zwei Klassen: Der ersten gehören Menschen an, die Produktionsmittel (Rohstoffe, Maschinen, Unternehmen etc.) besitzen und der zweiten die, die nur ihre Arbeit besitzen. Ich finde, dass er absolut recht hat mit seiner Kritik an diesen ungerechten Verteilungsverhältnissen.

 

„Währungsungleichheit“ – Leben auf Kosten von anderen

Autor: Manuel | Datum: 09 Januar 2013, 11:11 | Kommentare deaktiviert

Die letzten Artikel waren vor allem über mich und meine Erlebnisse, jetzt werde ich ein paar zusammenhängende Posts über Politik bzw. Wirtschaft schreiben:

Zuerst einmal zu einem Thema, das ich schon einmal angekündigt habe: Währungen und deren Wert.

Wenn wir als Deutsche in die Schweiz fahren, dann müssen wir Geld umtauschen. Man bekommt dann für 1€ 1,20 Schweizer Franken. Trotzdem kostet Haribo noch 80ct, der Döner 3€, das Buffet 10€ und das T-Shirt 15€. Die Preise bleiben also gleich, wir müssen es nur umrechnen.

Wenn wir als Deutsche nach Rwanda fahren, dann müssen wir auch Geld umtauschen. Man bekommt pro Euro 800 Ruandische Franks. Klingt viel – und das ist es auch! Um nur ein Beispiel zu nennen: Für diesen Euro kann ich fast 2kg Tomaten kaufen – in Deutschland würde ich eventuell ein halbes bekommen. Die Preise bleiben also nicht gleich – vieles wird günstiger.

Dementsprechend sehen auch die Löhne aus – sie sind deutlich niedriger, eben den lokalen Preisen angepasst (s. Blog „Armut“). Deswegen verdient der Mitarbeiter im Gästehaus monatlich nur 15.000RWF, weniger als 19€. Das verdient ein Gästehausmitarbeiter in Deutschland vermutlich in weniger als 2 Stunden. Ich bekomme als Taschen- und Verpflegungsgeld 175€. In Deutschland müsste ich damit unter der Brücke leben – hier reicht es für einiges an Luxus.

Trotzdem verändern sich einige Preise nicht im Vergleich zu unseren Preisen in Deutschland: Das iPhone kostet ohne Vertrag ähnlich viel wie in Deutschland (~600). Für einen Deutschen ist das allerdings halbwegs bezahlbar, ungefähr das Doppelte der Miete einer Studentenwohnung, oder die Hälfte eines Vollzeitjob-Lohnes, normalerweise sogar weniger. Hier in Rwanda ist es das zig-fache einer Studentenwohnung, mein Gästehausmitarbeiter würde das Geld dafür erst in über zwei Jahren verdienen!! Insgesamt lässt sich das übertragen auf alles an Technik und viele Importprodukte: Diese Produktpreise bleiben gleich, für den Deutschen also „normal“ und für den Rwander unbezahlbar.

Stellt sich nur eine Frage: Warum diese Ungerechtigkeit?

Der rwandische Tee wird durch die Lohn- und Währungspolitik deutlich billiger. Denn die rwandische Arbeit und die Transportkosten innerhalb Rwandas schrumpfen durch diese Ungleichheit auf ein Minimum. Allgemein kosten für uns Deutsche Importprodukte aus Ländern mit dieser „Währungsungleichheit“ also viel weniger. Und unsere Exportprodukte werden nach wie vor zu den gleichen Preisen abgesetzt – die deutschen Unternehmen machen also keinen Gewinnverlust.

Außerdem ist es für einen Deutschen gut bezahlbar hier in Ruanda herumzureisen. Ich kann in Restaurants und Hotels gehen, wo mich die Besitzer in Deutschland nicht mal „mit dem Arsch angucken“ würden. Hier ist das für mich locker bezahlbar, 10€ incl. Getränken ist für ein richtig, richtig gutes Essen ja auch nicht viel.

Nur für die Ruander ist es absolut ungerecht. Die leiden an allen Ecken darunter: Sie können sich niemals eine Reise nach Europa leisten, wo eine Übernachtung für sie ein Monatseinkommen kostet. Sie werden nie das Übermaß an Elektronik-Produkten genießen, was wir tun. Und sie werden weiterhin zu Hungerlöhnen arbeiten, damit wir Tee, Kaffee, Schokolade usw. in Massen zu unseren Preisvorstellungen verzehren können.

Wir bzw. unser Wirtschaften hat eine Ungleichheit geschaffen, damit es uns gut geht. Nein, damit es uns besser geht. Damit wir besser leben können - auf Kosten von anderen.

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Akagera - oder die Geschichte von den Elefantenhintern

Autor: Manuel | Datum: 06 Januar 2013, 12:55 | Kommentare deaktiviert

Dieses Wochenende haben wir uns überlegt die nächste der „5 (?) großen Sehenswürdigkeiten“ in Rwanda abzuarbeiten: Den „Akagera national parc“.

v.l.: ich, Jimmy (Monas Freund), Mona, Laura, Maria, Vale (ihr Freund), Lena (Monas Schwester), Wiebke, Laura (Gast von Laura), Timo (Monas Bruder) und die beiden Fahrer (deren Namen ich mir leider nicht merken konnte :/ ). Der rechts war in meinem Auto.

 

v.l.: ich, Jimmy, Mona, Laura, Maria, Valentin, Lena, Wiebke, Laura, Timo, die beiden Fahrer

 

Dafür sind wir früh morgens in zwei gemieteten Geländewagen los. Der Akagera an sich ist keiner der großen Nationalparks, denn es gibt verhältnismäßig wenige Tierarten (z.B. haben wir kein Raubtier gesehen)

Trotzdem hat es sich unglaublich gelohnt:

Wir haben sehr viele Antilopenarten gesehen, die uns regelmäßig den Weg versperrt haben. Unser Fahrer fand es am Ende witzig aufs Gas zu drücken und die ein bisschen zu jagen. Später haben wir auch Schimpansen, Warzenschweine und Nilpferde zu Gesicht bekommen – und ein Krokodil.

Die etwas spannenderen Tiere für uns waren aber Giraffen und Elefanten. Giraffen haben wir mehrmals gesehen, am Ende sogar aus sehr geringer Entfernung. Ein anderer Jeep hat sie dann leider verscheucht, dadurch konnten wir dann aber sehen, wie diese Tiere laufen – echt beeindruckend und anmutig!

Das Highlight des Tages war dann auf dem Rückweg, als unser Weg nach einer Kurve plötzlich durch eine Menge Elefantenhintern versperrt wurde. Insgesamt war das wohl eine Herde von 10-15 Tieren mit 2 Jungen, die sich ausgerechnet den Weg ausgesucht hatte um gemächlich zu gehen und manchmal zu essen.

Das waren die Elefanten, die uns den (Rück)weg versperrt haben. Später sind wir mit 3 Autos hupend auf sie zugefahren - dann haben sie Platz gemacht.

Wir sind denen dann auf Abstand hinterhergefahren – bis irgendwann ein Elefant aus einem Busch hinter uns sprang. Das zweite Auto hinter uns hat angefangen zu hupen wie wild und ist weggefahren, das hat aber nichts gebracht, der Elefant fand uns bedrohlicher. Er stand dann eine gefühlte Ewigkeit neben uns und ist an unser Auto gekommen, ohne recht zu wissen, wie er mit uns umgehen soll. Uns ging es da nicht besser. Deswegen saßen wir im Auto und haben verdammt geschwitzt (weil wir die Fenster zu gemacht haben), uns bemüht keine Geräusche oder Bewegungen zu machen – und hatten vor allem echt Respekt und irgendwann auch Angst, denn wer kann schon einen Elefanten einschätzen? Nachdem er mit ca. 3m hinter uns stand, fand er uns zum Glück irgendwann doch nicht mehr interessant und ist gegangen.

Das war der Elefant, der irgendwann 3m hinter uns stand. Wir hatten den Motor aus und die Scheiben zu, unser Fahrer war am beten und wir anderen am schwitzen. Einmalige, unbeschreibliche Situation!

Von hinten kam ein anderer Geländewagen (mit Guide) angerast, der die komplett andere Strategie richtig fand - Laut sein: hupen und ganz viel Gas im Lehrlauf geben um möglichst abschreckend zu sein. Wir sind dann mit der gleichen Strategie hinterher und waren dann 3 Jeeps, die auf die Elefantenfamilie vor uns auf dem Weg zugerast sind – und es hat funktioniert!

Es war insgesamt einfach total beeindruckend. Diese Tiere live zu sehen, ohne Zaun und aus ganz geringer Entfernung. Diese anmutigen Tiere gehen, laufen und springen zu sehen. Und von einem Elefanten angegriffen zu werden Wink

(wie immer gibt’s unter Fotoalben noch mehr Bilder)

Frohes Neues übrigens Smile