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Armut

Autor: Manuel | Datum: 30 November 2012, 15:08 | Kommentare deaktiviert

Ich habe ja mit Armut gerechnet, aber nicht in dem Ausmaß, wie sie einem hier manchmal förmlich entgegenspringt.

Vorweg einmal gerade zu den Löhnen: Es ist nicht unüblich hier bei Feldarbeiten etc. ~40.000 RWF (50€) pro Monat zu verdienen. Als Lehrer an einer Weiterführenden Schule sind 90.000 RWF (110€) ein Monatsgehalt, von dem ich öfters gehört habe. Und selbst ein Mitarbeiter einer amerikanischen NGO verdient „gerade einmal“ 250.000 RWF (310€). Allerdings muss man noch beachten, dass der Wechselkurs sehr unfair ist – Euros sind einfach unglaublich viel Wert. Wir bekommen 75€ monatlich für Verpflegung, und das reicht auch aus, wenn man sich hier selber bekocht. Allerdings müssen wir keine Wohnung oder Schulgebühren von diesem Geld bezahlen – und leben alleine! Deswegen ist es für Feldarbeiter, die gerade einmal 50€ verdienen sehr schwer die Familie zu ernähren und die Kinder zur Schule gehen zu lassen.

(edit: mein Gaestehausmitarbeiter verdient gerade einmal 15.000RWF pro Monat - keine 20 Euro!)

Und gerade, wenn man in Dörfer fährt, fällt das eben echt auf: Dort begegnet man Kindern in komplett zerrissener und verdreckter Kleidung. Die Wohnungen sind so klein, dass man sich wundert, wie dort 10 Menschen reinpassen. Man sieht ganz viele Krankheiten, die echt ekelig aussehen: Pilz auf Köpfen; gebrochene Körperteile, die falsch zusammengewachsen sind und ganz viele „Auswüchse“, die ich nicht näher beschreiben möchte. Und das obwohl die staatliche Krankenkasse meines Wissens nur 3000 (3,75€) pro Jahr kostet und man dann „nur noch“ 10% der Behandlung selber zahlen muss.

Aber das was mich am meisten schockiert ist die Sauberkeit: Ich habe sehr viele Kinder mit verdreckten Gesichtern gesehen. Und meiner Einschätzung nach müsste man dafür relativ einfach Wasser zum Waschen finden, da reicht ja etwas Flusswasser.

Und dann guckt man sich Bill Gates, den Microsoft Gründer, an: Er ist zweitreichster Mann der Welt mit 61 Mrd.$. Und woher kommt dieses Geld? Nahezu jeder Mensch im „Westen“ besitzt ein Microsoft Produkt und auch hier in Ruanda ist nahezu jeder PC ein Windows-PC. Meiner Meinung hat also jeder Mensch weltweit zu seinem Reichtum beigetragen (Konsum oder Produktion) – wenn auch eventuell nur indirekt. Das mag vielleicht mehr eine Milchmädchenrechnung sein, trotzdem hat aber jeder Mensch weltweit (!) durchschnittlich 8,71$ zu seinem Vermögen beigesteuert. Was hätte sich der arme Dorfbewohner in Ruanda wohl alles davon kaufen können?

 

Weißsein

Autor: Manuel | Datum: 22 November 2012, 11:18 | Kommentare deaktiviert

Als Weißer in Ruanda ist man ein bisschen wie das schwarze Schaf in der weißen Herde – nur eben andersrum: Man fällt unglaublich auf. Manchmal ist das echt praktisch und an anderen Stellen sehr schade oder nervig. Was es in der Realität im Alltag bedeutet möchte ich euch heute mal schreiben:

Es fängt damit an, dass mich schon sehr viele angesprochen haben: „Hey Emmanuel (die kennen die Kurzform nicht), ich seh dich regelmäßig laufen!“ Ich wunder mich dann immer, denn ich erkenne beim Laufen niemanden.

Man fällt hier eben echt auf und manche halten uns Weiße sogar für was richtig besonderes, was ich aber gar nicht sein möchte: Neulich wollten ein paar Kongolesen (die ich nicht kannte) ein Foto mit mir haben – Ich fühl mich aber gar nicht als Star...

Aber vor allem Kinder in Dörfern scheinen uns für Stars zu halten, da gehen dann manchmal Horden von Kindern (Rekord war schätzungsweise 30 – echt nicht schön!) neben einem her und versuchen Händchen zu halten...

Das macht es sehr schwer hier ein „normaler“ Mensch zu werden, egal wie gut man Kinyarwanda spricht oder die Kultur kennt.

Man begegnet uns hier mit vielen Vorurteilen, das weit verbreitetste ist wohl, dass alle Weißen natürlich reich sind. Deswegen wird man von vielen Motorrad-Taxis angehupt, ob man denn nicht mitfahren möchte – zu Ruandern machen sie das nie.

Manche wollen einfach nur mit mir befreundet sein, um den Sprung ins „Paradies“ (wie sie glauben) zu schaffen – nach Europa/Amerika. Oder es geht um Geld, ich wurde schon gebeten ein Haus zu bezahlen – für jemanden den ich überhaupt nicht kannte.

Aber bevor das jetzt zu negativ erscheint geht es jetzt mal um die Vorteile:

Andere warten in der Bank unglaublich lange, bis sie dran kommen. Ich verstehe dieses Wartesystem überhaupt nicht und stelle mich deswegen einfach so dumm wie ich bin, so dass ein Mitarbeiter auf mich zukommt.

Als Weißer habe ich hier schon sehr viele hohe Persönlichkeiten getroffen. Das fängt bei UN-Mitarbeitern geht weiter über eine Ministerin bis zum Erzbischof der Anglikanischen Kirche. Und neulich das Highlight:

Die „Tour of Rwanda“ - das nationale Fahrradrennen – hatte in Butare einen Zwischenziel. Im Zielbereich gab es eine Art V.I.P.-Bereich, in die man eigentlich nur als Pressesprecher oder Mitarbeiter reinkam. Drum herum standen unglaublich viele Ruander, die alle näher dran wollten, aber von der Security zurückgedrängt wurden. Wir (ein paar andere Freiwillige und ich) konnten dort einfach vorbei und uns direkt zu den ganzen Fotografen vorm Siegertreppchen stellen – ohne überhaupt angesprochen zu werden. Das war echt cool ;)

Alles in allem ist es vor allem eins: Unfair. In manchen Fällen möchte ich gar nicht auffallen und in anderen Fällen ist es total unfair für die Ruander. Ich kann daran nur leider nichts ändern und nehme es deshalb einfach hin – im positiven und im negativen.

 

Schnipp schnapp - Haare ab!

Autor: Manuel | Datum: 09 November 2012, 07:16 | Kommentare deaktiviert

 

Mittwoch war es so weit, mir waren meine Haare zu lang. Darum bin ich zum Friseur, aber nicht alleineLaughing Mit dabei war Théogène, ein ruandischer Freund, ohne den das mit dem Kommunizieren sehr schwer geworden wäre. Im Endeffekt wäre das ganze reden zwar auch überflüssig gewesen, aber dazu später. Auch da waren Mona, Wiebke und Maria, die eigentlich einmal den Rasierer in die Hand nehmen wollten, aber irgendwie wurde das nichts. (Übrigens hat mich das ganze sehr ans Brille kaufen erinnert, da waren wir auch so viele)

So sah es im Friseursalon aus. Schwer zu erkennen, aber hinter mir stehen (v.l.) Wiebke, Mona, Théogène, der Friseur und Maria.

Wir haben also zu fünft den Laden gesürmt und haben Théogène gebeten zu übersetzten: Ist es möglich, dass der Friseur die Haare einfach kürzer schneidet? Mit der Schere? Ich weiß nicht, ob der überhaupt gewusst hätte, wie man weiße Haare kürzer schneidet, aber als Antwort kam jedenfall: Wir haben hier keine Schere. Soviel dazu, damit hatte sich die Frisurenauswahl sehr beschränkt.

"Auf wie viel Centimeter schneidet denn der gröbste Rasierer?" - "4cm". Was für den Friseur 4cm bedeutet seht ihr unten. Wir waren jedenfalls optimistisch und haben gesagt: Fangen wir doch damit erstmal an, später kann ja noch mehr ab.

Ja und dann gings auch schon los: brrrrrrrrrrr

Soviel wurde abgeschnitten. Im Hintergrund ist Théogène, auch wenn er gerade nicht so begeistert guckt ;)

Nach dem Rasieren habe ich dann sogar noch eine Haarwäsche (mit warmem Wasser) + Massage bekommen - echt super! Und der ganze Spaß hat auch nur ~2€ gekostet.

So sah ich vorher aus...

... und das ist jetzt meine neue Frisur:

So siehts jetzt aus.

In Deutschland habe ich von solchen Frisuren ja echt nicht viel gehalten, aber hier gab es ja keine Auswahl Laughing Mir macht nur ein bisschen Sorge, dass die Sonne mir den Kopf verbrennen wird... Ich jedenfalls habe mich dran gewöhnt und find es echt in Ordnung, es macht total Spaß sich jetzt durch die Haare zu wuscheln Tongue out 

Was sagt ihr?

 

 

Essen

Autor: Manuel | Datum: 01 November 2012, 12:46 | Kommentare deaktiviert

Heute gibts dann endlich den Blogeintrag, um den mich schon einige gebeten haben: "Was isst man in Rwanda eigentlich??" Ich habe mit der Antwort gewartet, bis ich die Fotos von der Graduation hatte.

Grundsätzlich scheint es oft Buffet zu geben. Dabei gibts als Grundlagen Reis und Pommes, manchmal auch Spaghetti. Typisch Ruandisch sind auch "Kochbananen" (sehr lecker!), die man entweder lange kocht oder fritiert. Diese Bananen habe ich bei uns noch gar nicht gesehen, das sind unreife (grüne) Bananen. Süßkartoffeln findet man hier auch überall, die habe ich aber noch nie im Restaurant oder bei Ruandern gegessen.

Als Beilagen sind rote Bohnen und eine Art Manjok-Brei sehr populär, wer mehr Geld ausgeben möchte serviert Erbsen, evtl mit Möhren. Kohl, Auberginen, Tomaten und Paprika gibt es hier auch, das wurde mir aber auch noch nicht serviert.

Wenn man (besondere) Gäste hat gibt es auch immer Fleisch, was hier ein echtes Luxusprodukt ist. Man bekommt hier Huhn, Kuh, Schwein und Ziege, in teureren Restaurants auch Fisch. Um das ganze landestypisch zu servieren, bereitet man es als Fleischspieß (Brouchette) vor, gerade die Ziegen-Spieße scheinen eine ruandische Spezialität.

Hier schmeckt Fleisch aber sehr anders als Fleisch in Deutschland: Ich habe noch nie Fleischstücke gegessen, die richtig zart waren, dafür gab es aber schon so zähes Fleisch, dass Mona es einmal nicht runter gekriegt hat.

[Das ist eins der Essenssachen, die ich echt vermisse: Ein richtig zartes, großes Medium Steak und eine leckere Fackel]

Aber jetzt erstmal zu den Fotos:

Bei Fabien gab es Reis, Erbsen, Kochbanane, frittierte Kartoffeln und Fleisch:

In der Mitte ist eine Kochbanane, rechts sind

Und bei Annet Ziegen-Brouchette, frittierte Kartoffeln, Reis und Erbsen mit Möhren.

In der Mitte ist Ziegen-Brouchette (Das Vieh wurde vor meiner Haustür geschlachtet und hat echt laut geschrien...), rechts Erbsen mit Möhren und links Reis und frittierte Kartoffeln. Das gab es bei Annets Graduation.

Übrigens geht man zum Buffet nur einmal, nachnehmen darf man normalerweise nicht.

Salat gibt es auch manchmal, als Nachspeise werden Früchte (z.B. kleine Bananen, Ananas) serviert.

Normalerweise isst man hier nur mit einer Gabel, deswegen ist alles so klein zubereitet, dass man kein Messer braucht (z.B. das Fleisch), oder so weich, dass man es mit einer Gabel zerkleinern kann. Gewürzt wird übrigens fast nur mit Salz.

Insgesamt wird hier relativ viel frittiert. Wenn ich selber koche mache ich vieles anders und eher nach europäischer Kochart, denn man bekommt dafür auch nahezu alles.

Dieser Artikel ist garantiert unvollständig, das ist das, was ich bisher vorgesetzt bekommen habe.

Schlussfazit: Sehr lecker, wenn auch nicht so abwechslungsreich!

Ich hoffe ich habe euch jetzt genug Hunger gemacht ;)

Bis bald, Manuel