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Graduations I: Feiern in Rwanda | Nyungwe Fotos

Autor: Manuel | Datum: 30 Oktober 2012, 23:06 | Kommentare deaktiviert

Letzte Woche hat die NUR, die National University of Rwanda hier in Butare, ihre Studenten graduiert (wie nennt man das in Deutsch?? Also gemeint ist jedenfalls der bestandene Abschluss der Uni + Übergabe des Zeugnisses Wink ). Das heißt, dass in einer Woche ganze 3200 Studenten feierten, letztes Jahr war das alles sogar nur an einem Tag.

Ich hatte das Glück jeden Tag (Dienstag bis Freitag) auf einer dieser „Graduation-Partys“ eingeladen zu sein: Zwei gute Freunde und meine Nachbarin haben ihr Studium abgeschlossen. Die vierte habe ich abgesagt, das war einfach zu viel. „Feiern“ oder „Party“ nach traditionellem ruandischem Verständnis bedeutet nämlich etwas anderes als „Feiern“ bei uns:

Morgens zur offiziellen Graduation in der Uni war ich nur an einem Tag – es war unglaublich langweilig. Die Offiziellen schienen die Veranstaltung nicht allzu ernst zu nehmen, die Studenten waren unglaublich unruhig und aufgeregt, der Spaß fing über 1 Stunde zu spät an und es war einfach nur langweilig (obwohl in Englisch). Nebenbei war die Nacht für mich zu kurz...

Danach ging es dann jeweils weiter mit Familie und Freunden zur „Party“: Nachdem man anfangs zum warm werden einfach so auf lockere Weise im Stehen gequatscht hat, wird einem ein Sitzplatz zugewiesen, den man auch danach nicht mehr wechselt – sehr schade, weil man dadurch nur wenige Menschen kennen lernt und sehr schwierig, wenn man neben Menschen landet, die „nur“ Kinyarwanda sprechen.

Danach werden Getränke serviert (Limonade, bei nicht so strengen Anglikanern auch Bier) und irgendwann wird das Buffet eröffnet: Die „Guests of Honor“ (Eltern, hohe Persönlichkeiten) dürfen zuerst ran, danach geht es hierarchisch weiter. Find ich gut, denn dadurch darf ich als Weißer mir immer relativ früh was holen Laughing Darüber werde ich in einem meiner nächsten Posts nochmal richtig ausführlich berichten – mit Fotos. [Übrigens habe ich für Theogene, meinen Sprachlehrer, ganze 60 Pfannkuchen gebacken^^ Das war echt Arbeit, aber hat sich gelohnt.]

Dann gibt’s wieder Getränke, bevor dann der schönste Teil los geht: Reden, Geschenke, Reden – und noch mehr Reden. Diesmal ist die Hierarchie anders rum, es fangen die „unwichtigsten“ Menschen mit ihren Geschenken an, bis irgendwann die Eltern dran sind und von denen anscheinend oft eine Kuh (Statussymbol) verschenkt wird. Ruander scheinen sehr viel von diesen Reden zu halten und es geht dabei nicht so darum auf den Punkt zu kommen.

Dann hält der Gastgeber (Graduant, Student) eine Abschlussrede und alles ist vorbei. (Manchmal wird noch getanzt)

Insgesamt ist es also deutlich steifer als eine deutsche Feier und man kommuniziert viel weniger miteinander sonder lässt sich mehr berieseln durch Reden. Dafür steht der Gastgeber aber viel mehr im Mittelpunkt.


Ich habs endlich mal wieder geschafft Fotos hochzuladen: Vom Nyungwe-Regenwald

 

Nyungwe Regenwald

Autor: Manuel | Datum: 19 Oktober 2012, 07:43 | Kommentare deaktiviert

Vor 2 Wochen haben wir uns entschieden, für ein Wochenende in den „Nyungwe Forest National Parc“ zu fahren. Das ist ein Regenwald im Südwesten Rwandas, ca. 2,5h von mir entfernt. Wir heißt Mona, Freddy und ich mit 4 anderen „Muzungus“ (Weißen). Die habe ich hier in Butare kennen gelernt, hier sind einige Medizinstudenten für ihre Famulatur. Wir waren eine sehr witzig zusammengemixte Truppe, einige aus Deutschland, eine Schweizerin, ein Belgier und ein Norweger. Das ist schon cool, dass man hier Leute von überall kennen lernt!

Vorher....  [von links nach rechts: Pieter (Belgischer Student, macht Doktorarbeit), Saskia (Schweizer Medizinstudentin, Praktikum), Öystein (Norwegischer Medizinstudent, Praktikum), ich, Mona, Freddy, Tobi (Deutscher Medizinstudent, 4-monatiges Praktikum)] Die Brücke hat übrigens irgendwann echt gefährlich geknackt ;)

Wir sind Samstag losgefahren, haben dort eine Nacht geschlafen und Sonntag eine Guide-Tour, eine Führung, gemacht. Samstag Abend sind wir zum Essen in ein nobles Hotel und waren sehr über die Preise schockiert: Das Buffet hat ganze 5500 rwandische Francs gekostet (ca. 7€). Das ist für rwandische Verhältnisse verdammt teuer! Dafür war unsere Unterkunft sehr billig, aber wir mussten zu zweit in ausgebeulten Betten schlafen, und so gerne hatte ich den Norweger dann doch nicht, dass ich mit ihm kuscheln wollte…Wink Es war also eine sehr schlaflose Nacht. Vorher hab ich es übrigens geschafft die Bustickets für die Rückfahrt fast komplett auf Kinyarwanda zu kaufen ;)

Das Dorf, in dem wir übernachtet und gefrühstückt haben.Um das Dorf sind riesige Teeplantagen für den typischen ruandischen Schwarztee. Im Bild sind Tobias (links) und Öystein

Um von unserer Bleibe zum Startpunkt der Führungen zu kommen bin ich das erste Mal in meinem Leben getrampt, das war echt eine gute Erfahrung. Ist hier problem- und gefahrlos möglich!

Wir haben dann eine 6-stündige Führung gebucht, für die wir alle einen Gehstock in die Hand gedrückt bekommen haben. Erst fand ich dieses Teil etwas sinnlos, aber es war so rutschig im Wald, dass es nachher doch gut war sich abstützen zu können – Rwanda ist ja bekannter weise sehr hügelig und wenn steile Wege nass sind ist das manchmal echt eine Herausforderung! Vor allem wenn es rechts des Weges viele Meter steil bergab geht…

Wie gesagt: Ich habe während der 6-stündigen Tour gar nicht so realisiert, dass ich wirklich in einem Regenwald war. Beim Fotos gucken dafür dann aber umso mehr!

Die Tour war echt schön, wir waren wirklich in einem richtigen Regenwald! Das habe ich in der Situation gar nicht so gerafft, sondern erst später so richtig beim Fotos gucken. Es haben sich zwar nicht viele Tiere gezeigt, dafür haben wir aber Wasserfälle und sehr beeindruckende Pflanzen gesehen. Diese riesigen Bäume sind echt wunderschön und es ist interessant zu sehen, wie im Regenwald wirklich kein cm auf dem Boden unbewachsen ist. Seit der Tour verstehe ich übrigens auch, warum es REGENwald heißt, kurz vor Schluss hat es angefangen so stark zu regnen, dass wir alle komplett durchnässt sind. Dann haben wir uns bei einem „Tee“ (wenig Tee, ganz viel Zucker und Milch[pulver]) wieder aufgewärmt.

Den Rest der Fotos gibts in diesem Album: http://manuel.vem-freiwillige.de/album/58/434

 

Alltag II – Airtimes | VISUM

Autor: Manuel | Datum: 10 Oktober 2012, 21:58 | Kommentare deaktiviert

Ein riesiger Unterschied zwischen Deutschland und Ruanda ist folgender: Ihr habt alle eine Postanschrift (eures Hauses, Postfächer gibt es hier auch) und ein Konto. Das bedeutet, dass vieles per Rechnung, Lastschrift etc. bezahlt wird. Hier gibt’s sowas nicht und deswegen musste man sich Alternativen überlgen:

Will man miteinander telefonieren muss man sich Guthaben in Form von  "Airtimes“ für einen der beiden großen Netzanbieter kaufen. Dafür geht man einfach auf die Straße und sucht sich an der nächstbesten Kreuzung jemanden in einer Weste der Anbieter. Der drückt einem dann sein Handy in die Hand, man gibt seine eigene Handynummer ein und bezahlt den gewünschten Betrag. Das Guthaben wird dann von Handy zu Handy transferiert. Alternativ kann man sich auch „Rubbelkarten“ mit Codes zum Eingeben kaufen.

[Ich habe mich jetzt als so ein Airtime-Verkäufer gemeldet. Die bekommen die Airtimes nämlich für 7% günstiger, ich verkaufe die dann immer an mich selbst Tongue out]

Mit dem Internet läufts genauso: Man muss sich diese Airtimes kaufen und auf einen Internetstick (Internet per Handy-Netz) laden. LAN oder WLAN Verbindungen gibt es hier nämlich wenig, dafür wurden kaum Leitungen verlegt.

[Übrigens reißen sich diese Verkäufer immer um mich, sobald ich die anpeile stürmen die auf mich los. Ein durchschnitts-Ruander kauft nämlich normalerweise nur Airtimes im Wert von ~200RWF (~0,25€), Ich hingegen eher das 10-fache, damit ich nicht täglich da hin muss]

Das komische an der Geschichte ist, dass ziemlich viel auf diese Weise bezahlt wird, Dinge bei denen man gar nicht damit rechnet:

Strom zum Beispiel als „Cashpower“. Und das bedeutet, dass Strom einfach mal für eine Weile ausfallen kann, nur weil man kein Geld bezahlt hat. Sehr nervig, wobei mein Gästehaus regelmäßig bezahlt Wink

Oder Fernsehen: Man bezahlt für 1 Monat einen gewissen Betrag, je nachdem, wie viele Programme man empfangen möchte. Den Code gibt man dann im Receiver ein – und dann läuft der Fernseher.


Zuletzt noch eine wunderbare Nachricht: WIR HABEN UNSERE VISA! Für unsere Vorgänger war es sehr problematisch und es hat lange gedauert da ran zu kommen, letztendlich haben sie es über „Connections“ hinbekommen. Uns ist der Stress damit zum Glück erspart geblieben!